…etwas Liturgisches

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Zum Anhören hier entlang!
O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos viam prudentiae.
O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten,
die Welt umspannst du von einem Ende zum andern,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
Komm und lehre uns den Weg der Einsicht!

Heute, am 17. Dezember, beginnt der Hohe Advent. Das sind die letzten sieben Tage vorm Heiligen Abend – jawohl, es sind nur noch sieben Tage bis Weihnachten, und jawohl, das kann ein Grund zur Panik sein, aber trotzdem sollte man diesen Adventskalenderbeitrag noch genießen, bevor man losstürmt, um noch die restlichen Geschenke zu besorgen, Kekse zu backen, Karten zu schreiben und all die anderen Dinge zu tun, die man vor Weihnachten tun MUSS und SOLL (Ähnlichkeiten zum Edekaskandal um Nazicodes sind rein zufällig).

Der Hohe Advent zeichnet sich im Stundengebet durch die O-Antiphonen aus: Bilder des Alten Testaments, die den Messias bezeichnen, werden aufgenommen und ausgedeutet. Heute, am ersten Tag des Hohen Advent, rufen wir Christus als die göttliche Weisheit an. Jede Antiphon beginnt mit einem „O“– der Ausruf ist Ausdruck der tiefen Sehnsucht unseres Herzens, und schließt mit der Bitte „Veni“, Komm. Je näher wir dem Weihnachtsfest kommen, desto mehr sehnen wir uns nach dem Heiland, dass er in unsere Herzen einziehen und dort wohnen möge, aber auch, dass er leibhaftig wiederkommen möge. Während die Sehnsucht der Väter mit Christi Geburt erfüllt worden ist, warten auch wir, und darin verbinden wir uns wieder mit unseren Vorvätern im Glauben, Abraham und seinen Nachkommen. Wenn wir die Liturgie der Kirche betrachten, dann bleibt von Weihnachten nicht viel süßlich-kitschige Wiegenliedromantik, dann geht es ans Eingemachte: Glaube ich an die letzten Dinge? Ist mir klar, dass Christus tatsächlich (also: in echt) kommen und die Welt richten wird? Bin ich dafür wirklich bereit? Hier wird eine Dimension des Advent deutlich, die gewaltig und alles umgestaltend ist. Wenn ich sage „Komm, Jesus“, meine ich dann, er soll bloß zu allen anderen kommen, also die Kriege beenden, meinem blöden Nachbarn die Leviten lesen und meine Wünsche erfüllen, oder bin ich bereit, dass Jesus auch mein Leben grundlegend verändert, reinigt und heiligt?“Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang“, lehrt die Schrift – Gott ernstnehmen, seine Verheißung wirklich annehmen, aber auch im Gebet einfordern, das ist manchmal gar nicht so einfach! An der Krippe stehend sehen wir aber auch, dass Gottesfurcht keine Angst ist: Das sanfte, freundliche Jesukind erinnert uns daran, dass Gottes Macht sich nicht im Sturmwind, sondern im sanften Säuseln der Stille äußert, dass Gott uns geduldig und liebevoll hineinwachsen lässt in unsere Berufung als Christ. Und wir stehen nicht allein vor ihm: Als Magnificat-Antiphonen umrahmen die Bitten der Antiphonen den Lobgesang Mariens, und damit werden wir eingeladen, uns in unserer Sehnsucht nach Gott vertrauensvoll an Maria zu wenden, die anzuschauen, aus der uns das Heil geboren wurde: „Zeige uns Jesus nach diesem Elend“, bitten wir im Salve Regina, und das tut Maria, wenn wir auf sie blicken: Sie hilft uns, Christus kennenzulernen, ihm eine Wohnung in uns zu bereiten, ihn zu empfangen und in die Welt zu tragen, so wie sie selbst es getan hat und immer noch tut. In der lauretanischen Litanei nennen wir Maria den Sitz der Weisheit: Wenn wir uns ihr öffnen, dann schenkt sie uns Einsichten und Einblicke in den Glauben, die uns vorher verborgen waren. Nicht umsonst erklärt der katholische Glaube christologische oder andere Sachverhalte gerne mit Aussagen über Maria!