…etwas Inspirierendes

maria_durerMein Lieblingsadventslied ist die Verdeutschung des Hymnus „Veni redemptor gentium“, Nun komm, der Heiden Heiland. Ich liebe es, das ist allgemein bekannt, wegen der in der lutherschen Fassung ungemein holprigen Verse (das lateinische Original ist allerdings kein Deut besser – wenn „thalamo“ einfach nicht in die Melodie passt, dann wird sie halt passend gemacht) und natürlich wegen des universalen Anspruchs, der deutlich wird: Ich finde es immer besonders berührend, wenn ein Glaubenstext das Sehnen der Völker bedenkt, das Streben nach Gott derer, die nicht dem Volk der Erwählung angehört haben, und heute die Sehnsucht jener, die nicht in das Volk Gottes hineingetauft werden, aber dennoch Christus suchen. Dass Gott nicht allein für sein geliebtes Israel, sondern für alle Menschen gekommen ist, ist eine wundervolle Einsicht. Mit diesem Gedanken verbunden ist auch meine Lieblingskirche, Santa Maria in Ara Coeli in Rom. Ihr Name bezieht sich auf eine Erscheinung, die Kaiser Augustus gehabt haben soll: Eine Jungfrau, die ein Kind auf dem Arm trug, das der Herr der Welt sein solle. Augustus ließ daraufhin diesem unbekannten Gott einen Altar bauen – den Ara Coeli; und an dieser Stelle wurde später die Kirche gebaut. Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass die Heiden, die gar nichts mit den Israeliten zu tun hatten, dennoch eine vage Ahnung des kommenden Heils hatten – wie Platon, der die Kreuzigung des Christus vorhergesehen hat, wie die Athener, die ebenfalls einen Altar für die Anbetung des unbekannten Gottes „reserviert“ hatten, und eben wie Kaiser Augustus. Auch heute gibt es viele Menschen guten Willens. Gerade an Weihnachten sollten wir vielleicht vor allem für unsere muslimischen Mitmenschen beten, die als Nachfahren Ismaels Kinder und Sklaven des Gesetzes geblieben sind; die in Jesus den Sohn der Maria sehen, ihn aber nicht erkennen nach seiner göttlichen Natur. Auch sie können Mariens Kinder werden und Miterben Christi.

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