Was nicht passt, wird passend gemacht

Sonntag in einer nicht weiter benannten Diasporagemeinde, das Kirchlein ist voll. Die Predigt schafft es (neben einigen wirklich bedenkenswerten Punkten), Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit auf rein menschliche Parameter herunterzubrechen – eine intellektuelle Leistung ersten Ranges, es ist schließlich gar nicht so einfach, angesichts eines Gottes, der für uns gestorben und auferstanden ist, Gott aus der Rechnung herauszukürzen. Ein bisschen bestürzt bin ich über die Aussage, Gott erlaube uns, Gerechtigkeit nach menschlichen Maßstäben zu üben – schließlich ist Jesu Belehrung, wer seinem Nächsten zürne, verfalle bereits dem Gericht, und wer eine Frau lusterfüllt ansehe, begehe Ehebruch, das Gegenteil: Er sagt uns angesichts göttlicher Gerechtigkeit Barmherzigkeit zu, mahnt uns aber auch an den Anspruch, unserer Gottesebenbildlichkeit gemäß zu leben.

Aber da ich als Laienfrau darauf Wert lege, dass nur der Priester predigt, nehme ich auch diese Homilie humiliter an, was sonst, frau ist ja katholisch.

Etwas anderes ist es, was mich wirklich auf die Palme bringt: Während ich auch absurdeste Predigtinhalte tolerieren muss, weil der Pfarrer eben der Pfarrer ist, kann dieser ohne Widerrede den Papst von oben herab belehren. Ich habe gar nichts gegen Kritik am Papst. Auch der Papst ist ein Mensch, und sachliche Kritik an seinen Meinungen und Beschlüssen ist völlig legitim, solange sie sein Lehramt nicht in Frage stellt.

Wenn aber mit Blick auf „Querida Amazonia“ ein Provinzgemeindepfarrer sagt, dass da in bestimmten Fragen ja „noch Luft nach oben sei“, dann spricht daraus eine Arroganz, die ich atemberaubend finde. Frei heraus sagen, dass man für Frauenweihe und gegen Zölibat sei – bitte. Aber dem Papst zu attestieren, in der Ausübung des Lehramtes sei noch Luft nach oben, ist keine Kritik an ihm, sondern eine am Heiligen Geist. Gerade mal ausreichend, lieber Heiliger Geist, aber keine Sorge, üb noch ein bisschen, dann bekommst du das auch noch hin. Frag doch mal die KFD-Frauen und die BDKJ-Berufsjugendlichen, die erklären dir, was in deinem Sinne ist! Und mag die Kirche noch 1000 Mal in Übereinstimmung mit Schrift und Tradition erläutern, was ihr Glaube ist, solange das nicht mit unserer Meinung übereinstimmt, stimmt es eben noch nicht. Logo.

Hier wird einfach nicht verstanden, dass die Kirche Verwalterin ewiger Wahrheiten, nicht zeitgeistiger Meinungen ist, und dass sie sich nicht anpassen muss und nie anpassen wird. Was für Irrtümer hätte die Kirche nicht schon umarmt, wenn sie jeweils dem gefolgt wäre, was gerade hip war. Und welchen Schaden haben die Gläubigen, Priester und Bischöfe angerichtet, die nicht genügend Mumm oder Klugheit oder Frömmigkeit besaßen, um sich dem Mainstream entgegenzustellen!?

So etwas ist auch ein Verbrechen an den Gläubigen. Aufgabe des Priesters, der ja seine Autorität nur kraft des Papstes bzw. der Bischöfe hat, wäre, den Gläubigen den Sinn der Papstworte zu erläutern. Um zum Thema der Predigt zurückzukommen: Das ist unser Recht.

2 Kommentare

  1. Was Sie beschreiben, ist im Grunde Klerikalismus in Reinkultur. Marx ist ja auch der Meinung, „die Tür“ sei „nicht zu“, aber trotzdem vorsichtshalber mal zurückgetreten.

    Ich habe in den letzten Tagen die internationale katholische Publizistik etwas beobachtet. Es ist bemerkenswert, dass enttäuschte und wütende Reaktionen allein aus Deutschland zitiert werden, und das nicht ohne Spott. Im Catholic World Report hieß es: „For example, certain representatives of the ‚binding synodal path‘ in Germany accused the Pope of cowardice for not climbing on their particular theological hobby horses (celibacy and female ordination).“

    Offen gestanden, habe ich das nachsynodale Schreiben nach den Kontroversen der vergangenen Jahre wegen unklarer Äußerungen mit großem Bangen erwartet, und das, obwohl ja der Brief an die deutschen Katholiken vom Juni schon die Richtung gewiesen hat (wenn auch für meinen Geschmack mit zu vielen Worten). Ich gehöre zu denen, die froh und zutiefst dankbar dafür sind, eines besseren belehrt worden zu sein. Ich bin heute entspannt in die Messe gegangen wie schon lange nicht mehr…

    • Absoluter Klerikalismus und getarnt unter Leutseligkeit, Naivität und „Einfachgestricktheit“.

      Ich finde es auch wunderbar, dass der Papst da gesagt hat, wie es aussieht. Noch schöner hätte ich es gefunden, wenn er das ohne poetische Wortwolken getan hätte, da man nun natürlich dennoch rudert wie verrückt, um es irgendwie doch noch hinzubiegen, was man natürlich durch entsprechend brüske Wortwahl zumindest teilweise hätte verhindert werden können.

      Aber Hauptsache, diese Leute sind in ihre Schranken gewiesen. Ich mag ja den Catholic Herald UK. Wenn man den liest hat man das Gefühl, katholische Kirche und Deutschland liegen in unterschiedlichen Universen. Das finde ich immer sehr beruhigend.

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