Klima und Eigenverantwortung

Zuerst mal ganz klar: Ich halte Umweltschutz (wir können es auch „Klimaschutz“ nennen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben) für sehr wichtig. Und das nicht etwa, weil, wie verschwörungstheoretisch angehauchte Neo-Cons argwöhnen möchten, ich Anhängerin der „grünen Ideologie“ wäre, sondern, Überraschung, weil ich Christin bin. Ich erinnere mich noch gut an eine Religionsstunde, die in der 6. oder 7. Klasse stattgefunden haben muss. Uns wurde das Steinrelief eines assyrischen Königs gezeigt und wir lernten über das orientalische Herrscherbild, dass Macht vor allem auch Verantwortung bedeutet habe. Und dann ging es um den Schöpfungsmythos, und darum, dass, wenn also in der Bibel der Mensch zum Herren über die Schöpfung eingesetzt wird, diese Herrschaft zuerst Verantwortung bedeutet. Ja. Evangelischer Religionsunterricht in NRW konnte rocken. In mir wurde also früh die Einsicht geweckt, dass sich aus dem Anspruch, sich die Erde untertan zu machen, vor allem ergibt, dass wir uns fürsorglich um diese Erde kümmern müssen.

Diese Sichtweise ist etwas völlig anderes als die grüne, die dazu neigt, den Menschen wie Agent Smith aus „The Matrix“ als Virus zu sehen, der der Welt durch seine Macht schadet. Leider macht die Kirche, zumindest in Deutschland, diesen enormen Gegensatz zwischen „Der Mensch herrscht und muss sich deshalb kümmern“ und „Der Mensch darf nicht herrschen um der Welt nicht zu schaden“ nicht ausreichend deutlich, sondern tut bequemerweise so, als sei die grüne Idee hinter dem Umweltschutz kompatibel mit dem Christentum, nur, weil eben Umweltschutz darin vorkommt. Eine fatale Folge ist, dass der Kirche damit die Handhabe fehlt, gegen Fehlentwicklungen der ökologischen Bewegung zu protestieren; eine weitere, dass mittlerweile viele konservative Katholiken als eine Art Backlash den Klimaschutz in Bausch und Bogen verdammen, weil sie – zu Recht – die menschenfeindlichen Anteile einer ökologischen Ideologie ablehnen. Das nennt man landläufig „Kind mit dem Bade ausschütten“. Dabei ist der Schöpfungsbericht nicht der einzige Aufruf zu in wahrem Sinne ökologischem Lebenswandel. Die christliche Tradition hat verbunden mit der Liebe zu Armut und Einfachheit, grundsätzlich eine hohe Wertschätzung für das Land, das uns umgibt und nährt und für schonenden Umgang mit Ressourcen. Ein bekanntes Beispiel ist der Sonnengesang des hl. Franziskus, der keinesfalls bloß zu kitschigen pseudovangoghschen Altarbildern mit Sonnenblumen inspirieren sollte.

Man könnte nun grundsätzlich auf das falsche Menschenbild eingehen, das den grünen Klimaschutz auszeichnet, ich will aber hier nur einen daraus resultierenden praktischen Punkt benennen: Die Absage an die Eigenverantwortung des Einzelnen.

Im Augenblick ist in meiner Künstlerbubble alles in, was mit „Selbstverantwortung“ zu tun hat. Coaching nimmt einen immer wichtigeren Raum ein und Teil eines jeden guten Coachings ist, zu erkennen, dass man selbst verantwortlich ist, für das, was man tut. In esoterisch und asia-religiös angehauchten Kreisen geht das sogar weiter im Sinne eines Karma-Gedanken, demzufolge man sogar für alles verantwortlich ist, was geschieht. Lustigerweise sind die Menschen, die für sich persönlich ein Maximum oder sogar ein Übermaß an Selbstverantwortung proklamieren, dieselben, die in Sachen Klima „die Politik“ zur Verantwortung ziehen wollen. Sie sind, nebenbei bemerkt, auch die mit Chia-Samen und Avocados statt heimischer Produkte, die so unsexy klingen wie Leinsamen und Sauerkraut.

Das ist der Punkt, der mich persönlich am Klimakult am meisten stört, und mir geht es hier nicht einmal „ums Prinzip“, sondern um die Umsetzung dessen, was sich alle vernünftigen Menschen wünschen: Den Erhalt unseres Planeten als unser Lebensraum. Die Umwelt kann nur geschützt werden, indem jeder Einzelne etwas tut, das ihm unangenehm ist, weil es in jedem Fall irgendwie „Entbehrung“ ist: Eine Flugreise weniger, keine Ananas, wenn man doch gerade Bock drauf hat, das Auto stehen lassen und zu Fuß den Berg hoch, kein neues Handy usw. Ja, vielleicht sogar im Winter eine Woche länger mehr Pullis, bevor man die Heizung anstellt. Aber ganz egal, was man tut, man muss es selbst tun. Und genau vor dieser unangenehmen Wahrheit drücken sich Klimaprotestler. Der Staat soll verordnen, damit ich mich nicht entscheiden, sondern nur noch fügen muss. Traurige Ironie an dieser Einstellung ist, dass das „sich Fügen“ tatsächlich für die meisten Menschen energiesparender ist, als die aktive Entscheidung – weil die meisten Menschen eben Mitläufer sind, was ja gerade sozial und ökologisch engagierte Deutsche für sich kategorisch ablehnen. Mitläufer, das sind die anderen, die Bösen, die Rechten, die Nazis.

Ich frage mich also, entsprechend der Haltung, die ein guter Coach einfordern würde: Haben die Leute, die die Politik als Hauptverantwortlichen ausgemacht haben, vorher gründlich analysiert, ob sie ihre eigenen Möglichkeiten in Sachen Klimaschutz ausgereizt haben? Haben sie den Entschluss gefasst, diesen Winter von Kohl, Karotten und Kartoffeln zu leben? Ich meine das übrigens nicht gehässig. Ich meine z.B. keinesfalls, dass jemand, der das Klima schützen will, nur dann glaubwürdig ist, wenn er 100% gibt. Nur kann man ja von anderen schlecht einfordern, was man selbst nicht einmal erbringen will. Ich kann also nicht von „den Politikern“ alles fordern, und selbst in importierten Klamotten vor einem importierten PC mit aus Frankreich importiertem Strom Fotos einer Klimademo hochladen, die mit einem Handy aufgenommen wurden, das mit afrikanischen Rohstoffen hergestellt wurde, wobei ich Quinoa-Avocado-Salat, Kaffee und Schokolade mümmele. Übrigens zieht sich so die Wirtschaft klammheimlich aus der Affäre, denn sie wird ja nicht bloß von der Politik kontrolliert, sondern vor allem von den Konsumenten mitbestimmt. Wir können sicher sein, dass keine Avocados angeboten würden, würden sie nicht gekauft. Im Leugnen der Eigenverantwortung tut der Klimaprotestler also bloß das, was schon Adam und Eva probiert haben: Schuld sind immer die anderen.

Hier müsste man zusammenarbeiten, einander unterstützen, bereichern usw. Man könnte z.B. durchaus konstruktiv eine nouvelle simplicité etablieren, die nicht in ökologisch schickem Konsum besteht, sondern sich dem Konsumverzicht stellt. Wir haben durchaus die ideellen und traditionellen Ressourcen für ein Leben im „Einklang“ mit der Natur, aber klar muss auch sein, dass wir dann mehr leiden, weniger besitzen und wahrscheinlich früher sterben werden. Man könnte daher auch diskutieren, ob man nicht stattdessen oder zusätzlich auf technologischen Fortschritt setzt – der etwa das Müllproblem der Kernenergie in Angriff nähme und somit eine effiziente Form der Energiegewinnung ihres Nachhaltigkeitsproblems beraubt (oh-oh, Weltbildsprengeralarm!). Da das nun wirklich unbequem ist, hat man sich lieber in bester, erprobter marxistischer Tradition den Kampf auf die Fahnen geschrieben und als „Klassen“ in diesem Fall „die Politiker“, „die Erwachsenen“ und „die Jugend“ definiert. Die gesellschaftlichen Folgen könnten sich als katastrophal erweisen, und dem Klima wird damit definitiv nicht geholfen.

14 Kommentare

  1. Ihr Blog ist echtes Balsam für die geplagte Katholikenseele.

    Derzeit erlebe ich den dritten prognostizierten Weltuntergang während meiner Lebenszeit, obwohl ich so alt doch eigentlich noch nicht bin (Ozonloch, Millenium-Bug, und Klimakatastrophe mit seit 1990 mehrfach verschobenem Termin).

    Man braucht sich nur die Diskrepanz zwischen dem, was öffentlich und in Wahlergebnissen (zumindest in den Großstädten) an ökologischem Bewusstsein artikuliert wird, und dem anschauen, was man jeden Tag im Alltag beobachtet. Man kann nur einen Schluss daraus ziehen: keiner glaubt ernsthaft daran, persönliche Verantwortung zu haben. Die Kluft zwischen Attitüde und Verhalten ist manchmal widerlich. Heute morgen bin ich eher zufällig sehr früh zur Uni (mit dem Fahrrad natürlich…!) und an einer Schule vorbeigekommen. Was für Blechlawinen, welche Panzer, welche Abgase, um Achtjährige bis direkt ans Tor zum Schulhof zu fahren. Nur ein Beispiel von vielen, die nicht nur das Klima, sondern die konkrete Lebensqualität vor Ort betreffen. Oder: einen Rasen vorm Haus zu haben, der zwar grün, aber sonst tot ist. Und vom Insektensterben schwadronieren.

    Anstatt auf den derzeit auf 2030 terminierten Weltuntergang zu warten, wäre es mir lieber, der Herr käme stattdessen… aber wir kennen halt die Zeit nicht.

    Was mich besonders in diesen Tagen erschreckt ist aber das: was sind wir eigentlich für eine Gesellschaft, die es zulässt, dass ein junger Mensch so von Angst zerfressen wird wie Greta? Sie hält uns allen einen Spiegel vor, aber nicht den, den wir alle meinen. Ich bin davon überzeugt, dass nicht das Klima der Kern ihrer Angst ist.

    Jetzt bin ich aber mal wieder vom Thema abgekommen…

    • Alles gut! Ich bin völlig Ihrer Meinung. Das ist alles hanebüchen. Meine aware Kollegin hat heute zum Waffelessen eingeladen, und bedauert, uns keine Erdbeeren anbieten zu können. Ich habe ihr schon mal erklärt, dass Erdbeeren außerhalb der Saison nicht schmecken, aber ihre amerikanischen Geschmacksknospen checken das nicht. Solche Leute stellen am Ende immer sich selbst über das Klima, und richten sollen es die anderen… tja…

      • Zum den Erdbeeren:
        liebe mary, natürlich gibt es die gruen, grasig schmeckenden Exemplare außerhalb der Saison, aber woher auch immer sie kamen, ich hatte mal bei einem geschäftlichen Essen ein Erdbeerdesert mit wirklich toll schmeckenden frischen Erdbeeren im Spätherbst. Und meine Schwester hatte heuer auf der Terrasse Töpfe mit Erdbeeren die hatte vor einigen Wochen eine zweite Ernte. Ihre Kollegin kennen nur Sie, da halte ich mich “vorsichtshalber” raus 🙂

  2. schön geschrieben nur meines Erachtens überschätzt du die Gestaltungsmöglichkeiten des einzelnen gewaltig.
    Man hat im Grunde nur die Wahl zwischen Dash und Omo und gar keinen Garten mehr, wo man auch mal einen Rosenstock anpflanzen könnte.
    Ich kenne einige alte Leute die noch Auto fahren können, aber ungemein schlecht zu Fuß sind, und deshalb wirklich jeden Meter fahren.
    Ich kenne noch andere alte Leute, die nicht mehr selber Auto fahren können und deshalb jeden Meter, (zum Frisör, zum Arzt, zur Physio, zum Gottesdienst und zum Seniorentreffen usw) gefahren werden müssen, weil sie sonst überhaupt nicht mehr aus dem Haus kommen würden. Das zum Thema (Es werden immer noch viel zu viele Strecken unter 5 km gefahren)
    Natürlich sind die Staus um und in den Großstädten zum davonlaufen, aber all die Leute die da aus dem Umland zur Arbeit fahren, tun das ja nicht zu ihrem Vergnügen, und wenn sie könnten, täten sie auch lieber in Fahrradfahrnähe zu ihrer Wohnung arbeiten, aber das eine wie das andere muss man suchen und bei beidem ist man doch froh, wenn man überhaupt was gefunden hat.
    Und leider muss der öffentliche Nahverkehr sich rechnen und deshalb wird eben nur da gefahren wo es sich lohnt und alle anderen können grad sehen wo sie bleiben.
    Man unterhalte sich mal mit Leuten die Sonntags arbeiten, oder gar superfrüh anfangen müssen!
    Und das ist wohl auch die Erklärung für die Mamataxis an den Schulen, weil wer will schon dass sein KInd vor der Schule erst mal 2 Stunden sich an Bushaltestellen herumdrücken muss?
    AN der Realschule meines Sohnes wurde erbittert gegen das Zuspätkommen der Schüler aus dem Umland gekämpft, mit Klasenbucheinträgen, Vorreiten beim Schulsozialarbeiter, bzw beim Rektor, Eintrag ins Zeugnis usw. (das Problem war, die S Bahn fuhr nur alle Stunde und der Anschlussbus der direkt zur Schule fuhr, der wartete nicht, und mit dem anderen Bus mussten die Schüler umsteigen und kamen dann 5 Minuten zu spät. Ich saß damals im Elternbeirat, verwies auf diese Fakten, da hieß es „Ach da sollen die dann eine Bahn früher fahren, Ich redete dagegen, sagte dann sind die um 6:50 Uhr auf dem Schulhof und müssen dann in der Kälte herumstehen…..und teilweise schon um kurz nach 5 aufstehen, wohnt ja nicht jeder neben dem S Bahn Bahnhof! und die sind teilweise noch klein, gerade mal 10) Viele Eltern haben ihre KInder dann halt mit dem Auto gebracht, was aber auch bemängelt wurde. Das Thema kam jahrelang immer wieder auf den Tisch, solange bis der Konrektor sich im Umland ein Haus kaufte und mit gutem Beispiel vorangehen wollte, ab da war das Thema vom Tisch und das Zuspätkommen wurde toleriert, weil der Konrektor kann ja nicht um 5 Uhr aufstehen!
    Weiter ich war vor einiger Zeit in Rom, ich war da nicht alleine, sondern mit Freunden, ich wollte eigentlich dass wir mit dem Nachtzug hinfahren und zurück auch mit dem Zug,
    Zurück fährt keiner, es wäre preislich auf das doppelte des Flugpreises rausgelaufen, dazu die Übernachtung im 4 er Abteil (hin), zurück verschiedene Umstiege (Hin auch, aber nicht so viele) und anstatt einer guten Stunde Flug , wären wir hin (Mit dem Nachtzug 18 Stunden unterwegs gewesen und zurück mindestens 10 (reine Fahrtzeit).
    Dazu noch Gepäck schleppen und möglicherweise noch an irgendeinem Bahnhof strandend, weil der eine Zug Verspätung hat und der andere nicht wartet.
    Meine Begleitung hat sich kategorisch geweigert, und so sind wir geflogen.
    Anderes Beispiel, die Ananas, wobei Bananen genauso exotisch sind und Bananen gehören ja mittlerweile sozusagen zu den Grundnahrungsmitteln und kosten zur Zeit ein drittel des Preises von Äpfeln,
    Neulich gab es im Supermarkt argentinisches RInderhüftsteak (Und in Argentinien rennen die Rinderherden frei in der Pampa rum, das ist also Biofleisch) für 19,90 das Kilo Nebentran lag RInderhüftsteak aus der Region für 46,90 € da Kilo. Lamm aus Neuseeland ist meist die Hälfte billiger als Lamm aus der Region und und und
    Was ich mit diesen Beispielen sagen will, ist von außen sieht die Lösung einfach aus, nur von innen geht es eben nicht, und die Welt ist nun mal so geworden wie sie ist, und ich gehöre zwar auch zu den Leuten, die es völlig schräg finden, wenn im September noch Erdbeeren angeboten werden und im März die ersten aus Spanien eingeflogen werden und Äpfel aus Südamerika braucht man hierzulande nun wirklich nicht, die eigenen sind,. bei den modernen Lagermöglichkeiten ja das ganze Jahr über frisch und glatt und davon abgesehen finde ich,. Äpfel schmecken erst dann richtig gut, wenn sie runzlig sind.
    Aber wie du sagst, es würde nicht verkauft, wenn es nicht gekauft würde.
    Ich seh auch es ist nicht gut wie wir leben, aber dadurch dass wir so leben, werden wir alt wie nie, sind dabei lange fit wie nie. Im Roman „Die BUddenbrocks“ von Thomas Mann verbringt die reiche Hansefamilie ihre Sommerfrische an der Ostsee, das war damals etwas nur für Reiche.
    Was ist hierzulande über die armen DDR’ler gelästert worden die so arm dran waren, das sie ihren Urlaub nur an der Ostsee verbringen konnten.
    Gleichzeitig galt es in der BRD als ausgesprochen proletenhaft, wenn die Leute nach Italien gefahren sind, es gab das Wort vom Teutonengrill und keiner realisierte dass 200 Jahre vorher, als ein gewisser Minister von Goethe durch Italien reiste,. sowas auch nur ganz reichen Leuten möglich war.
    Ich weiß einfach nicht wie wir aus der Nummer wieder rauskommen sollen?
    Manchmal möchte ich auch das Lied des einfachen Lebens und der Bescheidenheit singen, leider leide ich an einem sehr guten Gedächtnis und kann mich einfach noch zu gut,. an meine Kindheit erinnern. Alleine der Geschmack von Brot und Marmelade, sowie Sprudelwasser im Sommer als wir noch keinen Kühlschrank hatten ist mir in schlechter Erinnerung. Auch das AUsgeschimpftwerden, weil man im Winter die Zimmertür nicht richtig geschlossen hat hab ich noch im Ohr, sowie der beständige Gang in den Keller um Holz, um Kohle, um Kartoffeln und zu den Apfelsteigen um die faulen Äpfel auszulesen, vermisse ich nicht.
    Die angefaulten Äpfel mussten gegessen werden, und so gut sie schmeckten, irgendwann kamen sie zu den Ohren raus.

    • Also, ich denke, es gibt Gestaltungsmöglichkeiten- die sind riesig, und GestaltungsWILLEN, der ist klein. Natürlich haben nicht alle Menschen Möglichkeiten, deshalb muss man zusammenarbeiten. Ich wohne selbst auf dem Land und bin die letzte, die Alten und Landeiern die Autos wegnehmen will. Nur: Ich kann spontan mehrere Leute nennen, die auch in der Stadt mit gutem ÖPNV AUS PRINZIP gegen die Öffis sind, weil sie ihre „Freiheit“ ja so hoch schätzen. Das ist dann eben der mangelnde Wille.

      Wenn es wirklich nötig ist: Ist es dann so abwegig, wenn sich in kleinen Gemeinden Fahrdienste bilden? Wenn man sich im Dorf abspricht und Einkäufe gesammelt erledigt? Es ist anstrengend, aber sicher nicht utopisch. Ganz klar: Die Öffis auf dem Land sind keine Alternative, so, wie sie jetzt sind. Aber sie müssten nicht so bleiben. Und wenn z.B. eine community beschließt, dass sie sich jetzt einen Tante-Emma-Laden alter Schule leistet um nicht rausfahren zu müssen zum einkaufen- wieso sollte das nicht funktionieren? Aber so etwas funktioniert nicht großflächig und nicht zentralisiert, sondern über gemeinsame Initiative vor Ort.

      Du beschreibst ja sehr viel, was eben wirklich nur durch das verantwortliche Umdenken des einzelnen geändert werden kann- oder durch eine totalitäre (Welt)regierung.

      Zum zweiten Knackpunkt: Ja. Das schreibe ich ja, Klimaschutz bedeutet auch Entbehrung. Ich sage ja nicht, wir müssen das so machen, aber denen, die es fordern, muss es eben klar sein. Und die haben eben noch nie verfaulte Sachen essen müssen oder keine Erdbeeren gehabt, wenn keine Saisom war.

      • In dem Dorf aus dem ich komme, vermisste man auch immer den „Tante Emma Laden“ und dann machte einer einen auf, Ja und was soll ich sagen, er machte auch schnell wieder zu. Die Leute lobten ihn alle, (es war in der Zeit wo allüberall sich Heimatkreise bildeten und überall Dorfchroniken verfasst wurden).
        Weil in der Erinnerung hatte der Tante Emma Laden alles, aber er hatte alles was man damals eben kaufen konnte, außer so Spezialsachen die es nur in der Stadt gab. Und der Tante Emma Laden hatte halt nur eine Sorte Kaffee und eine Sorte Fruchtjoghurt.
        Fahrtgemeinschaften, funktionieren erfahrungsgemäß nicht, ganz einfach. Sie funktionieren nur, wenn der der fährt an einem massiven Helfersyndrom leidet.
        Um was es mir geht ist folgendes:
        Mir geht der ganze Klimahupe gewaltig auf die Nerven, weil sich, im Gegensatz zu meiner Kindheit verdammt viel geändert hat,
        Es sind seit Jahrzehnten keine toten Fische und keine Schaumberge mehr den Fluss hinuntergeschwommen und die regelmäßigen Meldungen dass die Feuerwehr mal wieder Sauerstoff bei Frankfurt in den Main pumpen musste, die sind seit den 80ern obsolet. Man hat selbst Bitterfeld entgiftet und und und.
        Zu meiner Grundschule mussten wir über einen Bach laufen, der war immer mal wieder bunt gefärbt und stank (Industrieabfälle) mittlerweile ist es wieder ein netter, kleiner, sauberer unregulierter Bach,
        Wir werden alt wie nie und dabei fit wie nie!
        Es ist einfach die Frage warum soll es den einzelnen wieder schlechter gehen?
        Da ist die einzig christlich sinnvolle Antwort: weil ein Reicher eben so schlecht in das Himmelreich kommt.
        Und genau da sind wir aber am eigentlichen Knackpunkt: Ich kann das nur für mich entscheiden, und was das Haben von anderen angeht, so gilt hier das 10 Gebot, und das gilt auch „für die Umwelt“
        Im übrigen gab es im ausgehenden Mittelalter einen sehr interessanten innerkirchlichen Streit, den sogenannten Armutsstreit.
        Es ging, grob gesagt darum, dass eine Gruppe von Franziskanern der Ansicht war, dass ihre Art zu leben für alle Christen verbindlich zu sein habe, weil es genau die Lebensweise sei, die Christus und die Apostel gelebt hätten,
        Es ist ein hochkomplexes Thema, aber mir scheint der alte Streit kocht wieder hoch.
        Sagen wir so, Franziskus war zu seiner Zeit, mit seiner Idee der Liebe zur Armut ein Mensch mit Charisma, der viele dazu gebracht hat, zu verzichten, zu versuchen ganz in der Liebe zu Gott, der Liebe zur Schöpfung zu leben, aber um so zu leben braucht es den besonderen Ruf Gottes und diesen Aspekt dass da ein Gott ist, der die Welt geschaffen hat und der auch den Menschen geschaffen hat, und allem, auch dem Tun des Menschen Grenzen gesetzt hat, das vermisse ich in der ganzen DIskussion.
        Man tut ja geradezu so, als sei der Mensch in der Lage Gottes Schöpfung zu zerstören, ohne dass Gott das zulässt!

  3. P.S. ich finde , wie gesagt unsere Art zu leben auch grottenfalsch, aber ich seh nicht wie man ohne Gott da wieder rauskommen soll, einfach weil es zuviele Annehmlichkeiten dabei gibt.
    Ich habe es ja geschrieben

    • Ja, ich stimme dir in vielem zu. Der Unterschied zum Armutsstreit ist der, dass die radikalen Frakziskaner TATSÄCHLICH arm gelebt haben. Die, die jetzt Einschnitte fordern, tun es nicht.

      Zum Thema:wieso wieder ärmer werden? Naja, WIR, das heißt vor allem westliche Industrienationen.

      • Richtig das ist das Problem. Man fordert von den andern. Und was den Reichtum der westlichen Industrienationen angeht, auch dort gibt es Arme, die sieht man nur nicht so!
        Ich habe mal für die Pfarrei den Geburtstagswein ausgetragen. (Jeder der 75 wurde bekam eine Postkarte, mit Wein oder Saft und das dann bei jedem runden Geburtstag, ab 90 meine ich, jedes Jahr) Ich bin nicht empfindlich, aber was ich dabei gesehen habe, an Elend in dem angeblich ach so reichen Westen, das war unvorstellbar, so schlimm dass ich es, um meines eigenen Seelenfrieden willens aufgegeben habe.
        Und ich sehe nicht warum es dem Klima und der Umwelt helfen sollte, wenn die erste und zweite Welt zur dritten und vierten wird, und die in der jetzt dritten und vierten Welt so leben wie aktuell die erste und zweite.
        M,an könnte überlegen ob das vielleicht gerecht wäre, wenn man das materielle Wohlergehen als Maßstab für göttliche Gerechtigkeit nimmt, (was es nach allem wie derzeit die Schrift gelesen wird, in der Schrift gelesen wird, genau nicht ist, obwohl ein gewisser Johannes Calvin das durchaus begründet in der Schrift gelesen hat).
        Ich habe vor längerem einen wissenschaftlichen Artikel gelesen, wo man meinte, dass Afrika auf dem Weg zur Industrialisierung die fossile bzw atomare Energiephase einfach überspringen könnte, allerdings hat man vergessen zu berücksichtigen, dass hierfür eine winzige Kleinigkeit fehlt, nämlich die Möglichkeit elektrische Energie effizient zu speichern.
        Es wird da ja schon länger dran geforscht, alleine das Ergebnis ist nicht positiv.
        Meine Eltern haben seit den 70ern diese Nachtspeicheröfen, (das war aus den Zeiten wo man auf die großen Kraftwerke setzte, die eben nicht mal so einfach runtergefahren werden können (das Problem bei der Stromerzeugung ist, es muss immer gernausoviel Strom erzeugt werden, wie verbraucht wird). Wenn ich an meine Kindheit denke ist das vorherrschende Gefühl „frieren, kalt“. Morgends haben die eingebauten Akkus noch Energie, bis man abends kommt sind sie leer und man friert halt, weil auch die neuesten Modelle nichts taugen. Wäre das in irgendeiner Form wirklich effizient könnte man das System ja für gerade überschüssige Wind- und Solarenergie nehmen.
        Vor über 40 Jahren galt als Energiegewinnung der Zukunft der Bau von Gezeitenkraftwerken, es scheint sich einfach nicht zu rentieren. Ab und an ploppt das Thema in die Diskussion, aber auch hier scheint, allen hübschen Bildern zum Trotz der Teufel im Detail zu stecken (Ich vermute es ist der korrodierende Effekt des Meerwassers, der hier zu tragen kommt)
        Und so geht es munter weiter.
        Ich denke das Grundproblem ist, dass wir alle mehr oder weniger an verzweifelter Innerweltlichkeit leiden und diese Welt für das ein und alles halten, so dass wir alles in dieser Welt meinen gelebt und erlebt haben zu müssen.
        Das macht diesen ganzen Klima- und Umweltschutz zu so einer aufgehypten Sache, weil diese Welt als das nonplusultra Sinn, Zweck und Ziel des Lebens gesehen wird.
        Christlich ist, diese Welt ist Ort der Verbannung, seit Christus so ne Art Wartesaal auf das eigentliche, das wirkliche Leben und deshalb sollte man den Wartesaal in Ordnung halten, damit die, die später da rein kommen auch solange dort drin sein könne, bis ihr Zug endlich kommt und nicht flüchten und deshalb den Zug nicht erreichen.

    • Ich habe nie gehört, daß Franziskus wollte, daß alle leben sollten wie er. Die Franziskaner wollten das. Er lebte ein Beispiel vor. Sein Beispiel. Meine Oma sagte immer, wenn ihr das Verhalten eines Menschen gefiel, daß ich mir davon eine Scheibe abschneiden könne. Eine Scheibe. So habe ich auch den Beitrag verstanden. Ich kann etwas tun, weil ich selbst verantwortlich bin. Ich kann mich entscheiden was und wieviel. Und das tue ich auch. Das verlange ich nicht von anderen. Ich sehe mich seit bald 70 Jahren um, was ich tun möchte, um im Einklang mit Gottes Welt zu leben. Ich schaue weniger auf das Verhalten meiner Mitlebewesen. Allerdings verstehe ich nicht, wenn ich den Feldweg hinter unserem lang gehe, daß dort Kunststoffbecher und Tüten eines Burgerbraters liegen, der 10 Kilometer von uns entfernt residiert. (Einiges an den Klagen und Gegebenheiten heutzutage verstehe ich nicht.) Das sehe ich dann als meine Sache an.

    • Liebe ester769
      Es tut mir wirklich leid, dass Sie sich grottenschlecht fühlen.
      Denn ich sehe nicht wirklich einen Grund dafür. Sie posten hier mit Sorge, Einfühlungsvermögen, nachdenklich …

      Da haben die manipulierenden Medien erfolgreich Lebensfreude vernichtet um wie manche sagen, noch tiefer in die Taschen der deutschen Bürger greifen zu können, denn mit schlechtem Gewissen kann man sich schwer dagegen wehren.

      Ich möchte einen dritten Grund für den Kindertransport zur Schule erwähnen. Eine Bekannte hat in Wien schon in den 90-igern ihren Sohn in die Volksschule zwei Straßen weiter begleitet. Schon damals war die Sicherheit für kleine Kinder in diesem Bezirk bedenklich. Mein Bruder bringt seine Tochter mit dem Auto in eine 15 km entfernte Klosterschule, sie müsste ansonsten beim Bahnhof vorbei zum Bus, wo sich um diese frühe Zeit zu viele junge, anders erzogene Männer herumtreiben.

      Obwohl nur eine Kleinstadt, hat mein Bruder nach einigen Vorkommnissen schon vor Jahren seinen Kindern laufen statt kämpfen gepredigt.

      Sie beide, mary und ester, scheinen mir in ziemlich unterschiedlichen “Blasen” der Gesellschaft zu leben. Ich habe in eine Blase ähnlich hier von mary ab und zu mal reingeguckt. Bei ihnen ester kommt mir manches bekannt vor, ich kann mich aber täuschen.

      https://www.youtube.com/watch?v=2UBo6eH234Y beschreibt die Zeit im Sauerland zwischen 1930 und 1965.
      Wenn man, wie in diesem Film gezeigt, wieder mit Pferden ackern will, dann müsste sich vieles radikal ändern:
      – der Sozialstaat müsste dramatisch eingeschränkt werden. Damals hatte die Caritas ca. 100.000 Angestellte, heute 659.875. Diese und viele andere, die derzeit von dem Leben, was andere Hände erarbeiten, müssten alle wieder zurück an den Pflug.
      – ich zweifle, ob Deutschland so die derzeitige Bevölkerung ernähren könnte, denn 1950 lebten auf der Fläche des heutigen Deutschland ca. 13 Millionen Menschen weniger und seither ist einiges an Ackerflächen verloren gegangen.
      – von dem Geld, das auf Kredit aufgenommen wird sowie von dem in Deutschland erarbeiteten gehen Milliarden ins Ausland.
      – die Argentinier (als Bsp) könnten dann nicht mehr Rindfleisch gegen Autos oder Medikamente tauschen, sie müssten diese Produkte und vieles andere mehr selbst herstellen.
      – …

      Da geht es um weit mehr als um kleinere oder auch größere Abstreiche bei der Bequemlichkeit!

  4. Vielleicht einige Anmerkungen zu Begrifflichkeiten:
    Was den Begriff der „Schöpfung“ und deren Bewahrung angeht, kann ich ester nur zustimmen.
    Wenn Gott „alles“ geschaffen hat, „sehen“ wir nur einen Bruchteil eines Bruchteils davon und das ist vom Schöpfer genau so gewollt. Der Besuch einer Sternenwarte kann da erhellendes offenbaren. Wir sind, alleine von der Masse, weniger (!) als ein Fliegenschiss auf einer 1000qm grossen Glasscheibe (die wir sehen können, wie groß die Scheibe wirklich ist werden wir niemals herausfinden) in der Schöpfung.
    Das Klima können wir nicht „schützen“ und es ist eine perfide Art von Hybris, genau das den Menschen verkaufen zu wollen. Es reicht ein Asteroid um das Klima zu bereinigen und das dauert einige 10 000 Jahre.
    Die Umwelt können wir schonen, nicht schützen. Der Begriff Umweltschutz ist irreführend.
    So wird aus dieser Debatte ein Scheingefecht und niemand weiß mehr genau um was es geht. Wenn sich die „heilige Greta“ in ein Flugzeug setzt, über den Teich jettet um Politikern die Leviten zu lesen, ist das so als würden die Bürger von Schilda das Licht mit Eimern ins Rathaus schleppen, anstatt Fenster einzubauen.

  5. Soso, es geht ums Klima. Also könnte ich auch mal beim nächsten Davoser Wirtschaftsgipfel sprechen, einfach so? Oder können das doch nur Marionetten?

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