Soll das jetzt das ganze Jahr lang so weitergehen?

Fakenews here, Fakenews there, Fakenews everywhere. Was angeblich eine Stärke russischer Medien sein soll, ist in der deutschen Medienlandschaft natürlich ebenfalls ziemlich verbreitet. Und im Bereich „Kirche, Religion und so“ sind Fakenews ohnehin seit 500 Jahren en Vogue. Allerdings steht zu befürchten, dass mit dem Reformationsjubiläum diese Mode noch einmal ganz neu wieder aufschwappt, und man sollte sich in der Taskforce Fatima vielleicht mal tragfähige gegenreformatorische Strategien überlegen.

Ein besonders schönes Exemplar aus dem Seminar „Wie verbreite ich Fakenews über die katholische Kirche im Jubiläumsjahr 2017“ hat der WDR aufgelegt.

Kurzfassung: Annette Kurschus, ihres Zeichens Präses der Westfälischen Landeskirche wurde laut Schlagzeile vom Bistum Paderborn ausgeladen. Sacre bleu! Im 21. Jahrhundert, und noch dazu im evangelischen heiligen Jahr – welch „Irritation“, wie die Zusammenfassung des Artikels sagt. Die Benediktinerabtei in Meschede bleibe ihr „verschlossen“. Na, an offene Türen kann man ja auch keine Thesen nageln!

Natürlich hat die Schlagzeile weder mit dem Inhalt des Berichts noch mit den Tatsachen etwas zu tun- das kennen wir doch aus der Bildzeitung, denkt der Leser, der noch in Zeiten aufwachsen durfte, in denen Fakenews schlicht „Falschmeldung“ oder alternativ „Lüge“ hießen, und in denen es das Privileg der Regenbogenpresse (darf man das noch sagen, oder ist das homophob?) war, derartiges zu verbreiten. Ordentliche Medien jedoch hielten etwas auf sich und auf eine gewisse Übereinstimmung von Schlagzeile und Text. Aber das war vorgestern.

Was ist tatsächlich passiert (und steht auch dementsprechend im Artikel, bloß kann man in der Redaktion natürlich davon ausgehen, dass nur ein kleiner Teil der Leute den Artikel auch ANKLICKT, nachdem er die Schlagzeile gelesen hat)?

Das Erzbistum Paderborn hat anlässlich des Plans der Benediktiner, Frau Kurschus Kanzelgemeinschaft anzubieten, daran erinnert, dass in der katholischen Kirche nur Priester und Diakone in der Messe predigen dürfen. Daraufhin wurde der Dame angeboten, im Rahmen eines „Gottesdienstes“ (also: NICHT in der MESSE) zu predigen, woraufhin selbige Dame nun ein Terminproblem hatte. Trotz der Süffisanz, die ich hier aufbiete, wünsche ich mir für Integrität und Seelenheil von Frau Präsessin Kurschus, dass sie tatsächlich terminlich verhindert war, denn sollte dies nur vorgeschoben sein, weil ihr ein stinknormaler „Gottesdienst“ (was genau, ob Stundengebet oder ökumenische Andacht oder was auch immer, sagt der Artikel nicht) nicht ausreicht, würde das ein etwas schäbiges Licht auf ihre Ökumenefähigkeit und ihren Respekt für andere werfen. Also glaube ich ihr einfach mal! Übrigens ein Treppenwitz der ganzen Angelegenheit, dass sie als Unierte ohnehin niemals etwas anderes als einen stinknormalen Gottesdienst hat. Auch in ihrer eigenen Kirche kann sie niemals in der Messe predigen, wieso also sollte sie bei den Katholiken das Sahnehäubchen abschöpfen? Schön auch, dass der Artikel uns darauf hinweist, dass wir es hier mit der „höchsten Theologin“der westfälischen Landeskirche zu tun hätten – Show some respect, guys!

Zuerst einmal ist die westfälische Landeskirche für Katholiken vor allem eines: Irrelevant. Es sei denn, man wohnt in Bethel, dann ist sie lebenserhaltend und sinnstiftend. Warum wohl haben die Lipper ihre eigene Landeskirche? Hm? Weil die westfälische Kirche nix kann! Sorry! Schlimmer ist nur die EKiR! Ich bezweifle, dass man der Dame in Lippe so einfach eine evangelische Kanzel zur Verfügung stellen würde! (Disclaimer: Mein katholisches Ich zeichnet für den vorangegangenen Absatz nicht verantwortlich. Die vorangegangenen Sätze sind allein den Überresten meines wahllippischen Lutheraner-Ichs zuzuschreiben und haben mit meiner katholischen Haltung nichts zu tun. Wie jeder weiß, wird der Dreißigjährige Krieg in der Lippischen Landeskirche mit unverminderter Härte weitergeführt, solange es noch Reformierte und Lutheraner gibt. „Uniert“. Pht.)

Und schließlich könnte sie auch höchste Astronautin, höchste Vorstandschefin oder Queen sein, ein Laie hat in der Heiligen Messe die Homilie (Predigt in der Heiligen Messe) nicht zu halten, auch nicht im Reformationsjubeljahr und auch nicht in liberalen Klöstern.

Fassen wir also zusammen: Frau Kurschus wurde mitgeteilt, dass sie in der Messe nicht predigen könne, wohl aber in anderem Rahmen, woraufhin sie abgesagt hat. Das Ganze läuft unter der Schlagzeile „Erzbistum Paderborn lädt evangelische Präses aus“. Ein Schelm wer Böses dabei denkt – wenn hier überhaupt ausgeladen wurde, dann von der Benediktinerabtei. Aber diesem „liberalen“ (andere würden vielleicht eher sagen „reformbedürftigen“, katholisches.info-Sprech wäre vielleicht gar „verlottert“) Kloster will natürlich nun wirklich niemand reingrätschen, weshalb der Aggressor das schwärzeste der schwarzen Bistümer sein muss, weil Narrativ muss passen und so.

Das Einzige, was an der ganzen Sache verwundert, ist, dass die Abtei tatsächlich auf den Hinweis des Erzbistums eingegangen ist. Das stimmt hoffnungsfroher, als man zu denken wagt. Offenbar scheut man selbst in Königsmünster ein allzu offensichtliches Ignorieren der kirchlichen Vorgaben. Tröstlich, dass man (noch) nicht ganz und gar der Impertinenz das Ruder überlässt – man ist wohl doch noch ein bisschen filial.

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6 Kommentare

  1. Und dennoch bleibt wahr: Frauen sind für die katholische Kirche Menschen nach wie vor Menschen zweiter Klasse. Schade!

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