Ablass Teil 3: Ablass konkret – wie?

In Teil 1 dieser Abhandlung habe ich erläutert, was ein Ablass ist, und in Teil 2, warum man welche erwerben sollte. Hier nun Praxistipps.

Die Bedingungen

Um einen Ablass gewinnen zu können, muss man katholisch und im Stand der Gnade sein. Binsenweisheit. Wenn du aus dem Schatz der Kirche etwas nehmen willst, musst du zur Kirche gehören. Wenn dir Läuterungszeit erlassen werden soll, muss die Sünde vergeben sein, sonst hast du ein größeres Problem als das Fegefeuer (was das ist und wieso wir es brauchen, steht in Teil 1).

Um einen Ablass gewinnen zu können, muss man wenigstens allgemein die Absicht haben, einen zu erlangen. Wer bittet, erhält, wer anklopft, dem wird aufgetan. Aber fragen und klopfen muss man!

Sodann jeweils die Anforderungen:

-Beichte (reicht einige Zeit vor- oder nachher, die Anweisungen variieren, man kann so etwa sagen 14 – 21 Tage)

-Kommunion am selben Tag, an dem der Ablass erworben werden soll (möglichst)

-Erweckung vollkommener Reue und entschiedene Abkehr von jeglicher (auch lässlicher) Sünde

-Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters

-Ablasswerk, meist ein Gebet, Besuch eines Ortes oder ein bestimmtes Werk

Die Kirche kann die äußeren Bedingungen ändern oder anpassen, je nach persönlicher Situation des Gläubigen oder auch allgemein. So gelten besondere Bestimmungen darüber, wie der Ablass des Jahres der Barmherzigkeit erworben werden kann.

Vollkommene Ablässe

Es gibt vollkommene und unvollkommene Ablässe. Der vollkommene Ablass wird (maximal einmal am Tag) erworben, wenn alle Bedingungen erfüllt sind und bedeutet den Erlass sämtlicher Sündenstrafen, die man würde abbüßen müssen, bevor die Seele von allem befreit wäre, was uns noch von Gott trennt. Der unvollkommene wird erworben, wenn nicht alle Bedingungen erfüllt sind. Das heißt auf deutsch: Auch, wenn ich es z.B. nicht schaffe, zu kommunizieren, wenn ich das Gebet für den Heiligen Vater vergesse oder es partout nicht schaffe, wirklich jede jede jede Sünde so ganz und gar zu verabscheuen, lohnt sich die Absicht, einen Ablass erwerben zu wollen, trotzdem. Das zeigt uns wieder, dass der Ablass keine 1:1 Umsetzung der Barmherzigkeit Gottes in weltliche Maßstäbe ist, sondern der Versuch, die unermessliche, gigantische Barmherzigkeit Gottes näherungsweise deutlich zu machen. Außerdem sagt es uns: Du musst nicht perfekt sein, Gott nimmt alle deine Anstrengungen ernst und verwandelt sie in etwas viel besseres, als du es alleine je machen könntest!

Gerade der Punkt mit der vollkommenen Abkehr von jeder Sünde zeigt auch, wieso der Ablass nicht dazu taugt, in krämerischer Manier aufgerechnet zu werden. Ich jedenfalls kann nie mit Bestimmtheit und 100%iger Sicherheit sagen, dass ich wirklich komplett frei von jeder Anhänglichkeit an die Sünde wäre. Vielleicht fehlt mir da auch bloß Selbstbewusstsein. Aber da so etwas in den tiefsten Tiefen des Herzens verborgen bleibt, kann man eben schlicht und einfach nur eines: Vertrauen. Dann also geht man mit dem Ablass richtig um, wenn man im Vertrauen auf Gott alle seine Werke und Gebete in Gottes Hand legen will, und darauf vertraut, dass die Kirche eine gute und treue Verwalterin dessen ist, was Gott uns zukommen lässt.

Praxistipps

  • regelmäßig beichten. Wer ein- bis zweimal im Monat beichtet, ist für alle vollkommenen Ablässe gerüstet, die unvermutet des Weges kommen.
  • einen Link anlegen zum Enchiridion (oder es kaufen, hab‘ im Netz nur auf Latein gefunden…). Hier sind alle Ablässe verzeichnet, die aktuell erworben werden können, nebst allen wichtigen Informationen. Das ist vor allem auch praktisch, weil ältere Andachtsbücher manchmal noch Dinge enthalten, die nicht mehr gelten. Außerdem entdeckt man so alle möglichen tollen Gelegenheiten, die einem sonst nicht bewusst waren. Wusstest du z.B., dass du alle deine halbstündigen Bibellesen oder alleine gebetete Rosenkränze vor dem Allerheiligsten aber auch die gemeinsam in einer Gruppe gebeteten postwendend in Ablässe hättest investieren können, wenn du gewusst hättest, dass das Ablasswerke sind? Hier gibt es eine praktische Zusammenfassung.
  • Gebetsmeinungen gut sichtbar aufhängen oder am Anfang des Monats im Netz nachlesen, was jeweils die Gebetsmeinung ist. Es ist nicht notwendig, die konkrete Gebetsmeinung des Papstes zu kennen. Es reicht, „in den Anliegen des Hl. Vaters“ z.B. ein Vaterunser und ein Avemaria zu beten. Aber um einem routinierten Automatismus vorzubeugen, ist es sinnvoll, die Gebetsmeinung auch wirklich buchstäblich zu kennen.
  • Eine kurze Absichtserklärung ins Morgengebet integrieren. Es reicht, etwa zu beten „Ich möchte heute alle Ablässe erwerben, die mir möglich sind“. Natürlich ist es auch gut, sich jeweils vorher noch mal zu erinnern, dass man das tun möchte, weil es unseren Sinn für die Gemeinschaft innerhalb der Kirche stärkt und unseren Dank für die Freundlichkeit und Barmherzigkeit Gottes, dass wir auf so schlichte Weise Wiedergutmachung leisten und zugleich anderen Gliedern der Kirche nützlich sein dürfen!

Probiert es aus! Es ist wirklich schön, Ablässe zu entdecken. Als Ansporn, als Ermahnung, das Gebet ernstzunehmen, oder als Stärkung des Glaubens an die heilige Kirche. Mein persönlicher Lieblingsablass ist der Allerseelenablass. Martin Luther right in da face. Einfach um Allerheiligen herum beichten gehen, und dann acht Tage lang Nachlass-Happy Hour!

Ablass-Supreme: Zwei Extragimmicks für Leute, die es wissen wollen

1.Maria

Für Leute, die sich Maria geweiht haben (wie, noch nicht? Okay, das wird der nächste Blogeintrag…), aber auch für alle anderen ist es eine Extraportion Vertrauen in Gott, wenn man seine Ablässe pauschal in die Hände der Jungfrau Maria legt. Damit sage ich, dass Maria sich besser und zuverlässiger um meine Wiedergutmachungen kümmern kann, als ich, dass sie sie bestimmt noch effektiver einzusetzen weiß, als ich, und dass sie am allerbesten weiß, wer am meisten Hilfe braucht.

2.  Heroischer Liebesakt

Klingt dramatisch? Jep. Das ist ein Gebetsakt, mit dem ich bestimme, dass ich künftig komplett darauf verzichte, Ablässe für mich persönlich zu erwerben. Ich schenke damit den Armen Seelen einen Nachlassgutschein: Was immer ich erwerbe, wird ihnen zugewendet. Verbunden mit der „Vollmacht“ für Maria natürlich am Besten: Alles, was ich tue, gebe ich Maria zur Verwaltung, und sie macht damit, was sie will, für die Armen Seelen.

So, noch Fragen? Auf geht’s, lasst uns die Welt mit Liebe und guten Werken überfluten und alles wiedergutmachen, was die Sünde zerstört hat!

Ablass Extra

Besonders viele Möglichkeiten gibt es diesem außerordentlichen Heiligen Jahr. Zum einen gilt das Ausüben eines der geistlichen oder leiblichen Werke der Barmherzigkeit als Ablasswerk, wenn man die normalerweise nötige Pilgerfahrt zu einer Heiligen Pforte nicht antreten kann. Und damit auch wirklich jeder einen gewinnen kann, sind sogar die Türen von Gefängniszellen zu „heiligen Pforten“ erklärt worden, so dass ein Gefangener den Heilig-Jahr-Ablass erwerben kann, auch, wenn er nicht in Rom durch die Heiligen Pforten schreiten kann. Also: Es war noch nie so leicht, wie in diesem außerordentlichen Heiligen Jahr: Carpe diem!

Die Sache mit den Tagen…

Es gibt ein gravierendes Missverständnis, das viele Menschen in ihrer Auffassung negativ beeinflusst. Neben Ablassgebeten stand früher eine Anzahl von Tagen. Also, z.B. 300 Tage Ablass oder 7 Jahre Ablass. Es ist ein verständlicher Irrtum (der sicher immer schon herrschte), dies bezeichne die Anzahl der „Fegefeuertage“, die man erlassen bekäme. Das ist aus einsichtigen Gründen Blödsinn. Natürlich kann die Kirche nicht vorhersagen, wie lange jemand im Fegefeuer sein würde und auch nicht, wie viel Zeit man darin erlassen bekommt, denn nach dem Tod endet die Gerichtsbarkeit der Kirche ohnehin. Die Kirche konnte und kann aber Buße für Lebende verhängen. Die Anzahl der Tage gibt also wieder, wie viele Tage man als öffentlicher Büßer hätte büßen müssen, um so viel „Bußleistung“ zu erbringen, wie man durch das entsprechende Ablasswerk und den Ablass erbringt. Das zeigt übrigens den schon angesprochenen Punkt, dass der Ablass eine Einrichtung der Freundlichkeit Gottes ist: Wenn ich durch ein Gebet soviel Buße tun kann, dass ein öffentlicher Büßer früher dafür 7 Jahre lang in Sack und Asche hätte gehen müssen, dann sehen wir schon, wie großzügig Gott Nachlass gewähren will! Die Kirche gibt da also eine Richtschnur, einen Eindruck, aber bezogen auf die Lebenden und ihre Buße, nicht bezogen auf das Fegefeuer!

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6 Kommentare

  1. Eigentlich würde ich ja gerne was kritisches sagen. Nur der Beitrag ist super *thumbsup 🙂 Etwas so lustig/interessant geschriebenes habe ich noch nie über den Ablass gelesen.

    Ich kann verstehen, wenn Leute den Ablass ablehnen. Es ist so ein Begriff da hat man sofort schlechte Bilder im Kopf. Man denkt eher an brüllende Mönche die düster drein blicken und arme dumme Leute ausnehmen. So eine Art religiös motivierte mittelalterliche Staubsauger vertretter. Leider denkt man bei Ablss nicht an Gnaden-Happy-Hour.

  2. “ Du musst nicht perfekt sein, Gott nimmt alle deine Anstrengungen ernst und verwandelt sie in etwas viel besseres, als du es alleine je machen könntest!“ — so ein Trost! Ich bin zu chaotisch, um sicher zu sein, dass ich wirklich alles hingekriegt habe…
    Das wusste ich nicht, dass man Maria auch die Ablass „Entscheidungen?“ überlassen kann. Finde ich auch sehr hilfreich.
    Allerseelenablass habe ich 2015 angefangen ganz treu und dann am 4. kriege ich einen Anruf , dass mein Dad plötzlich im Sterben liegt. Ich bin hingeflogen und konnte die letzten Tage bei ihm verbringen. Ich war nicht mehr täglich am Friedhof die Tage, aber Werktagsmesse und eine gute Beichte liessen die Gnaden fliessen. Ich bin sicher, dass meine Bemühungen um den Ablass, mich gestärkt und vorbereitet auf den Tod meines Vaters.

    • Schön, auch einmal von jemandem zu hören, der das praktiziert … die Vorbehalte sind ja ziemlich groß.

      Ja, ganz allgemein im Sinne der Marienweihe kann man ja ohnehin alles in dei Hände Mariens legen. In der Neuauflage des Schott der Petrusbrüder findet sich ein Gebet für die Überlassung aller Ablässe, und es wird dort explizit darauf hingewiesen, dass man nicht notweniger- aber „passenderweise“ diese Ablässe in die Hände Mariens gibt. Katholisch Sein ist so schön 😀

  3. Vielen Dank für Deine aufschlußreichen und so gut nachvollziehbaren Erklärungen zu diesem Thema! 🙂 Eins erschließt sich mir zum Ablass noch nicht: Was ist mit denen, die durch meine Sünde geschädigt wurden? Es ist ja schön, daß ich als Täterin gut heraus kommen kann. Aber die, die evtll. mit einem durch mich verursachten schweren Schaden leben müssen, die müssen immer noch damit leben, wenn ich schon längst nach Beichte und Ablass wieder los und ledig bin. Da kommen die Täter auch in zeitlich-irdischen Leben besser raus als die Opfer. So erscheint es mir bisher. Und das finde ich schwierig am Ablass. Oder hast Du eine andere Einsicht dazu?

    • Ich finde den Einwand sehr sehr interessant, sehr komplex und sehr zum Nachdenken anregend. Ich habe keine „Antwort“ darauf, sondern nur Gedanken:

      Salopp und kurz könnte man vielleicht einfach sagen: „Gnade ist Gnade, und Gnade ist unverdient, und Liebe ist Liebe, und die Liebe Gottes eben unendlich“ – und damit tiefer, als ein Mensch begreifen kann. Dein Einwand geht viel tiefer als nur bis zur Frage nach dem Ablass, und berührt das Vaterunser und die Bitte „wie auch wir vergeben…“. Schließlich sind wir alle Sünder und wünschen uns alle Vergebung und eben auch NACHLASS. Es ist also erst einmal leicht, zu sagen „Du sollst büßen für das, was du getan hast.“ Aber wenn wir auf Gott schauen, sehen wir diese grenzenlose Liebe, die unser Verstehen übersteigt. Die Alternative wäre ja ein Weniger an Liebe.

      Allerdings würde ich tatsächlich in Frage stellen, ob der reuige Sünder im zeitlich-irdischen wirklich „besser“ raus kommt. Denn die echte Reue ist schon etwas sehr sehr Schmerzhaftes und Nagendes, man leidet ja sozusagen „mit“, weil man dem Opfer etwas angetan hat; und auch die negativen Folgen für einen selbst sind, wie ich finde, gravierend. Man bekommt ja nicht einfach seinen inneren Frieden zurück und das war’s dann: Je nachdem, wie man gesündigt hat, verfolgt einen das, was man getan hat, trotz der Vergebung, z.B. auch in negativen Neigungen o.ä., die hängen bleiben. Oder wenn jemand jemanden umgebracht hat, wird er ja nicht einen Ablass erwerben und sagen „Puhh, jetzt ist alles wieder gut“ – das würde jedenfalls zeigen, dass er keine echte Reue hat und der Ablass ziemlich wenig wahrscheinlich gültig ist.

      Auf der anderen Seite kann durch das Opfer Christi jedes Leid inkorporiert sein das seine und Anteil haben an seinem erlösenden Leiden. Wenn das Opfer dies „ergreift“ (BEgreifen kann man das nicht, glaube ich), dann kann es auch darin einen inneren Frieden finden, dass es sein Leid aufopfert. Der Ablass ist ja auf das Fegefeuer, also auf die Strafe nach dem Tod gerichtet, nicht auf das irdische Leben. Und da gewinnen letzten Endes alle aus der Gnade Christi das ewige Leben.

      Wenn man dagegen auf das irdische Leben schaut, muss man schon zugeben, dass es der nicht reuige Sünder in „weltlichen“ Maßstäben am Besten hat (wobei man sein inneres seelisches Leid dabei ausklammert), aber für ihn gibt es auch keinen Ablass. Und wenn man die Kirche wirklich als innige Gemeinschaft versteht, in der alle füreinander einstehen und füreinander und miteinander leiden, dann geht man irgendwie anders an die Sache heran, oder? Denn es ist ja eine Gemeinschaft der Hingabe und Liebe. Da würde man als Opfer also auch den Nachlass für den Sünder erbeten und erbitten.

      Denn am Anfang der Frage steht ja die Tatsache, dass wir alle „des Ruhmes ermangeln“ und eigentlich alle sterben müssten, wenn nicht die Gnade Gottes uns allen gelten würde. Wir können uns also entweder einen Kreislauf der Vergeltung und Sühne wünschen, oder aus der vollkommenen Sühne Christi heraus alles bezahlen. Ich frage mich, ob es nicht zum Wesen der Liebe so wesentlich gehört, Leiden und Schmerz lindern zu wollen, dass der Ablass Gott sozusagen „notwendig“ wäre, um uns wirklich vollkommen zu lieben. Wir haben ja in Gott nicht bloß einen gerechten, sondern einen barmherzigen Vater, und die Barmherzigkeit zeichnet doch aus, dass nicht bloß vergeben wird, sondern dass auch Strafe nachgelassen wird, oder? Einen Vater, der Hausarrest einfordert, aber sein Kind dennoch liebt, würde ich gerecht und liebend nennen, aber nicht barmherzig. Wir sollten mal einen Priester fragen!

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