Ablass Teil 2: Ablass erwerben heute – warum?

Hier geht’s zur ausführlichen Erklärung, worum es sich beim Ablass handelt.

Noch einmal die offizielle katholische Kurzfassung:

Ablass ist der Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet. (CIC can. 992)

Also, ein Ablass bedeutet, dass die Zeit, die ich nach dem Tod im Zustand der Läuterung verbringen muss (weil ich während meines Lebens nicht komplett und vollständig frei geworden bin von allem, was mich von Gott trennt), verkürzt wird. Das kann geschehen, weil die Kirche einen riesigen Vorrat an Schätzen angesammelt hat, und zwar im Himmel, wo „weder Rost noch Motten“ daran gelangen. Der Schatz ist also bei Gott in Ewigkeit aufbewahrt, und Verwalterin ist die Kirche. Daraus ergibt sich, dass die Kirche festlegt, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um einen Ablass zu erwerben. Der Schatz kommt übrigens zu allererst von Christus. SEIN Verdienst ist unendlich! Sodann von Maria und den Heiligen.

Die Kirche: Eine wahre Gemeinschaft

Der Clou an der Sache ist, dass ich einen Ablass nicht nur für mich, sondern auch für Verstorbene erbitten kann. Warum? Weil die Kirche keine symbolische, sondern eine echte Gemeinschaft ist. Ich sach’s mal ganz platt: Durch die Erlösung durch Christus konnte die Heilige Katharina heilig werden. In ihrem Leben und Sterben hat sie nicht nur für sich selbst und ihre Sünden volle Genugtuung geleistet (wie gesagt, nur möglich durch die dem vorausgehende Erlösungstat Christi), sie hat auch noch einen Batzen mehr Gutes getan, und der liegt jetzt in den Händen der Kirche. Wenn ich nun etwas Schlechtes getan habe, es bereue und ein Ablasswerk erbringe im Vertrauen auf Christus und die Kirche, dann bekomme ich ein Stück von ihrem Gnadenüberfluss ab. Hah! Jetzt ist er in meinen Händen. Und mir fällt ein, dass ich ja noch die Möglichkeit habe, sehr viel Genugtuung zu leisten in meinem Leben – also Unglück geduldig zu ertragen, meinen Nächsten ganz viel zu lieben, unglaublich viel an Kirche in Not zu spenden und wer weiß wie tolle Sachen machen zu können in meiner Liebe zu Christus – aber es gibt Leute, die das nicht mehr können. Mein Großonkel Alfons z.B. Der war vielleicht nicht mal katholisch, hat also auch während seines Lebens eher weniger versucht, jedenfalls bewusst, mit Christus mitzuarbeiten. Und jetzt ist er tot, kann also gar nichts mehr machen. Also bitte ich darum, dass der Gnadenschatz, den ich gerade geschenkt bekommen habe, doch bitte für ihn verwendet wird.

Nun wird der aufmerksame Leser fragen: 1. Woher weißt du, ob Großonkel Alfons überhaupt im Fegefeuer ist? Er könnte a) in der Hölle oder b) schon im Himmel sein, entweder directement oder nach der Läuterung. 1.1 Wenn Großonkel Alfons schon im Himmel ist, was passiert mit dem Gnadengutschein? Verfällt er? 2. Woher weißt du, wie viel Gnadenschatz du tatsächlich bekommst und ob es ausreicht?

Wuchern mit der Gnade!

Tatsächlich ist der Ablass nicht, wie von Kritikern behauptet, eine merkantile Angelegenheit. Wir behelfen uns in Gnadenangelegenheiten einer quantitativen Ausdrucksweise, so, als handele es sich bei Gnaden um quantifizierbare Mengen. Tatsächlich wissen wir das aber nicht, es ist nur eine Ausdrucksweise, um uns das Verständnis zu erleichtern. Tatsächlich können wir den Gnadenflow nicht ermessen, denn die Gnade ist unermesslich, und das müssen wir auch nicht, denn an erster Stelle steht das Vertrauen. D.h. würde jemand Strichlisten darüber führen, wie viele Ablässe er nun schon für diesen oder jenen erworben hat, der hätte einen wesentlichen Aspekt nicht verstanden, nämlich, dass wir mit dem Ablass alles letztlich in Gottes Hand legen. Das bezieht sich auch auf das Wissen um den Verbleib der Verstorbenen. Erst einmal vertrauen wir auf Gott. Und sollte Großonkel Alfons – was super wäre – schon im Himmel und selig sein, können wir darauf vertrauen, dass der Ablass dem Nächstbesten zu Gute kommen wird. Das Wichtigste ist ja, dass die Liebe und die Gnade vermehrt werden. Übrigens haben wir die Ausdrucksweise von Jesus selbst: Er benutzt gern in Gleichnissen Bilder aus der (Finanz)wirtschaft. U.a. hält er Christen zum Wuchern an – jawohl! Er sagt uns, dass, wenn wir Talente von Gott erhalten, wir diese vermehren müssen. D.h. in Bezug auf unsere Mitarbeit im Weinberg Christi: Es kann kein Überdüngen geben. Wenn wir Gnade in die Welt hinabziehen, dann sollten wir so viel wie möglich davon verteilen, und zwar überall. Es ist schlicht unglaublich nett, dass wir das so einfach machen können, wie mit einem Ablass, und dazu nicht alle erst einmal alles verkaufen müssen, was wir haben, um dann unrasiert in Jesuslatschen im Kongo Missionsarbeit zu leisten. Nicht falsch verstehen: Auch das ist wunderbar und gut, aber Gott sei Dank will die Kirche auch denen zur Seligkeit verhelfen, die das nicht tun können!

Der Ablass hat also unter anderem den Sinn, dass wir als heute lebende Christen aktiv den bereits verstorbenen Christen helfen. Wir helfen einander über den Tod, über die Zeit, über die Transzendenz hinaus, wie ja auch die Heiligen uns helfen. Das ist eine große, echte Familie, die Gemeinschaft der Heiligen.

Was bringt uns das im Hier und Jetzt?

Für uns selbst hat der Ablass einen dreifachen Sinn. Den ersten habe ich bereits ausufernd erläutert, wir bekommen Läuterungszeit erlassen. Es gibt aber weitere gute Gründe, verbunden mit den konkreten Bestandteilen eines jeden Ablasses (ausführlich erklärt in Teil drei: Ablass konkret):

Der Ablass hilft konkret zu einem frommen Leben und zu einer Umwandlung unseres Herzens schon zu Lebzeiten. Vielleicht kennt ihr das Problem, dass man z.B. Vaterunsers und Avemarias herunterleiert, weil man’s halt schon kennt. Aber jetzt stell dir vor, dass die Andacht, mit der du das Vaterunser verrichtest, nicht nur dir hilft, sondern jemandem helfen kann, der Hilfe braucht und selbst nichts mehr tun kann. Genau. Das ist ein Ansporn. Ein Ansporn etwa, der uns verdeutlicht: Gebet ist nicht irgendein diffuses irgendwie Wünsche nach oben richten und eigentlich ist es auch egal, ob man betet oder nicht. Der Ablass gibt dem Gebet (die meisten Ablasswerke sind Gebete) und der guten Tat ein konkretes Antlitz, eine konkrete Konsequenz: Gebet rettet, Gebet lindert Not und Leid, Gebet wirkt. Natürlich sagt die Kirche das sowieso, auch ohne Ablass. Aber der Mensch möchte es gerne konkret, und konkreter als Ablass kann man es nicht machen. Dein andächtiges Gebet, hier und jetzt, hilft konkret jemandem, jetzt. So werden wir uns, wenn wir Ablässe erwerben möchten, eben nicht im negativen Sinne geschäftstüchtig die Gnade in Gramm und Unze abwiegen, sondern wir werden einfach versuchen, so viel Gutes wie möglich zu tun und so viel zu beten, wie möglich, um so gut wie möglich mit Christus mitzuarbeiten. Außerdem gehört auch zu jedem Ablass die Reue und die entschlossene Abkehr von jeder Anhänglichkeit an jede Sünde . D.h., irgendwann im Verlauf des Erwerbens eines Ablasses erwecke ich in mir Abscheu gegen alle Sünde und meine fest und ehrlich, nie wieder sündigen zu wollen. Das schaffen wir natürlich nie. Aber indem wir immer wieder fest den Vorsatz fassen, stärken wir in uns den Willen zum Guten! Jeder weiß, dass Wiederholung die Realität stabilisiert. Stehe ich jeden Tag auf und sage „Heute ist ein schlechter Tag“, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es ein schlechter Tag wird. Sage ich mir jeden Tag „Ich hasse die Sünde, ich will nicht sündigen, ich liebe Gott über alles“, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich mich irgendwann am Rand der Sünde daran erinnere, was ich am Morgen gesagt habe, und dass ich das eigentlich nicht wollte – und Stück für Stück kann ich das Ruder herumreißen und tatsächlich weniger sündigen. Auch regelmäßige Beichte und Kommunionempfang sind Bestandteile des Ablass – also alles Dinge, die zum Leben eines Katholiken sowieso dazu gehören, aber eben in Bezug auf den Erlass von Sündenstrafen genutzt werden dürfen, um uns und anderen zu Gute zu kommen. Der Ablass ist also ein Hilfsmittel, um sogar hier und jetzt an der Heiligung zu arbeiten.

Auch für die Kirche hat der Ablass einen Sinn: Er bindet uns als Gläubige inniger und fester an die Kirche und an den Papst. Denn zu jedem Ablass gehört das Gebet in den Anliegen des Heiligen Vaters. D.h., wer Ablässe erwirbt, betet zugleich immerzu für die Anliegen, die dem Papst besonders wichtig sind. Wir werden uns bewusst, dass wir zur Gemeinschaft der Kirche gehören, dass „wir“ Kirche „sind“, dass wir nicht nur für uns beten, sondern, dass wir als Kinder und Miterben des Reiches Gottes den Auftrag und die heilige und großartige Pflicht haben, für andere einzutreten. Wir üben sozusagen schon einmal das Amt, das die Heiligen in der Ewigkeit bereits ausüben. Durch uns soll Christus in die Welt getragen und sichtbar werden.

In Teil drei geht es dann um die Praxis ;). Probiert es aus! Es macht sogar Spaß!

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2 Kommentare

    • Oh oh…dann könnte es sein, dass du bei Teil drei geradezu LACHEN musst…da geht es nämlich auch um die Nachlass-Happy-Hour…kein Witz…

      aber Vorsicht…laut „Name der Rose“ kann Lachen in katholischen Kreisen tödlich enden…;)

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