Splitter, Balken, die Homoehe und so

Selbstbetrug ist eine unschöne Sache, von der wohl die wenigsten Menschen vollkommen frei sind. Gerade deshalb liegt es mir fern, irgendjemanden wegen seines Selbstbetrugs zu verurteilen. Jesus Christus erinnert uns daran, dass es stets leichter ist, den Splitter im Auge des anderen zu sehen, als den Balken vor dem eigenen Auge. Allerdings sehe ich das gleichzeitig auch als Aufforderung, sich jeweils gegenseitig bei der Entfernung von Splittern und Balken gleichermaßen zu helfen, da man nun mal häufig beim anderen klar sieht, was man an sich selbst nicht bemerkt.

Die Evangelische Kirche in Deutschland entscheidet sich für den umgekehrten Weg. Aus Solidarität mit dem kollektiven Homosplitter hat sie sich entschlossen, sich einen Balken vor die Augen zu pappen, um ja nicht mehr als alle anderen zu sehen.

Klingt erst einmal total menschlich, menschenfreundlich und nachsichtig. Ist aber absolut un-sichtig, wenn man diese selbstverschuldete Blindheit korrekt bezeichnen möchte.

Wer selbst anfängt, herumzunölen, wenn ein Papst die bittere Pille verabreicht, dass, wer nicht in apostolischer Sukzession steht und nicht den Anspruch erhebt, Kirche im Sinne Christi zu sein, eben auch nicht als Kirche bezeichnet werden kann, der sollte dann doch auch selbst diesen Papst Lügen strafen, indem er die transzendente Dimension des Kirche-Seins eifrig unter Beweis stellt. Statt dessen bemüht man sich ohne Unterlass, unmissverständlich deutlich zu machen, dass man nicht mehr ist als ein Sozialverein, der als den Grünen vorgeschaltete (oder nachgeordnete) Organisation nichts anderes zu tun hat, als Gotteswort zu leugnen, Jesu Wort zu relativieren und eigenes Wort zum Maßstab für Wahrheit zu erklären.

Es ist die Aufgabe einer Kirche, jeglichen Selbstbetrug  liebevoll offenzulegen und ihm abzuhelfen. Jeder will Liebe. Jeder will Zärtlichkeit. Wir brauchen das, denn wir sind so geschaffen. Beides können, dürfen und sollen wir einander entgegenbringen, und beides hat erst einmal mit unserem Geschlecht nichts zu tun.

Aber wir haben den Boden der Vernunft und der ganzheitlichen Wahrnehmung der Welt verlassen, wenn wir einen Akt, der mit Fruchtbarkeit und Offenheit für das Schöpfungswirken Gottes nichts zu tun hat, der lediglich eine abstruse Parodie oder ein verzweifeltes Nachahmen der natürlichen Ordnung ist, durch dieselbe göttliche (An)ordnung schützen und heiligen, die Gott mit der Ehe geschenkt hat.

Es ist ein weithin ignorierter und unbekannter Fakt, dass nach christlichem Verständnis die Ehe der Rahmen für Fortpflanzung ist, und damit für Geschlechtsverkehr. Nun war es zugegeben genial, zuerst dafür zu sorgen, dass trotz immer früherer und expliziterer Sexualaufklärung ganze Generationen nicht verinnerlicht haben, dass die biologischen Zusammenhänge nun einmal so sind, wie sie sind. Wer nicht mehr weiß, dass Sex zu Kindern führt (eine Tatsache, die sogar ohne jeglichen Aufklärungsunterricht die letzten paar Jahrtausende einwandfrei vermittelt werden konnte, das muss man jedenfalls vermuten, denn die Fortpflanzung hat bei Menschen bisher immer ganz gut geklappt), der weiß auch nicht mehr, dass man nicht alles kann, was geht.

Natürlich muss man überhaupt nicht das christliche Eheverständnis teilen. Dann aber verlangt man keine kirchliche Eheschließung. Im Grunde gibt es ohnehin keinen Grund, überhaupt zu heiraten, wenn man die Ehe nicht im christlichen Sinne versteht. Außer aus steuerlichen Gründen. Aber dann reicht das Standesamt.

Wenn also nun jemand dieses Eheverständnis eigentlich nicht teilt, die Ehe aber trotzdem will, dann ist das ein Hinweis darauf, dass hier eine tiefe Wahrheit über die Komplementarität von Mann und Frau trotz allem verstanden wird. Und das ist gut. Da hat jemand Sehnsucht nach der anderen Hälfte. Das ist normal. Aber der eigene Wille steht der Erkenntnis entgegen, dass diese andere Hälfte notwendigerweise das Yang zum Yin sein muss, denn geschlechtliche Liebe drängt zu ihrem vollkommensten Ausdruck in der Empfängnis neuen Lebens. Ohne diese Möglichkeit wid die Fülle nicht erreicht. Und das ist keine Herabsetzung von Homosexuellen, sondern die schlichte Zurkenntnisnahme biologischer Fakten. Wer innerhalb der EKD meint denn, durch die kirchliche Trauung zweier Männer oder zweier Frauen könnten nun demnächst endlich erlaubterweise zwei Spermien miteinander verschmelzen und es könne derart ein Kind empfangen werden? Wird sich der Körper eines Mannes von dieser „Ehe“schließung beeindrucken lassen und eine Gebärmutter ausbilden? Nein. Und die, die die Homoehe für sich wünschen, können auch nur solange behauptenihre Gemeinschaft habe dieselbe Qualität wie eine Ehe, solange sie nicht mit einer Familie aus Vater, Mutter und Kind konfrontiert sind. Wenn ihr Wunsch nach Beziehung tatsächlich so tief und ehrlich ist, wird irgendwann schmerzlich dieser reale Mangel in die Beziehung einbrechen. Es gibt sehr wohl Homosexuelle, wie etwa Dolce & Gabbana, die ihre eigenen Gefühle so weit reflektiert haben, dass sie dieses Defizit frei nennen und aushalten können. Wer das nicht kann, wird leiden, ohne zu wissen, warum, oder aber über Leihmutterschaft etc. anderen Leid zufügen, um sich zu erzwingen, was fehlt.

Und zu diesem Selbstbetrug derer, die eigentlich die ganze Fülle einer geschlechtlichen Beziehung suchen (also eine Beziehung, die Frucht bringen kann), tritt der Betrug durch Teile der EKD, indem sie diesen Menschen vorgaukelt, die Fülle sei erreicht, indem ein Pfarrer ein Paar segnet. Seit wann ist es christlicher Nächstenliebe dienlich, andere zu belügen?

Ja, es ist geschickt, erst einmal die Biologie zu ignorieren und dann zu behaupten, Ehe habe in erster Linie etwas mit gegenseitiger Verantwortung zu tun. Gegenseitige Verantwortung übernehmen wir jeden Tag. Hoffentlich. Beim Autofahren. Im Umgang mit Kollegen. Wenn Freunde in Not sind und Verwandte Hilfe brauchen. Das ist kein Spezifikum. Auch Liebe ist keines. Wir lieben (hoffentlich) ständig und so gut wie jeden.

Es hindert also nun in einer freien Gesellschaft niemand irgendwen daran, mit seinem Körper zu tun oder zu lassen, was immer er möchte. Aber was nicht Ehe ist, wird es nicht, in dem man es so nennt. Ich kann eine Narzisse Rose nennen, ja, wenn mir dies in der Schule so vermittelt worden ist, oder von den Medien, kann es sein, dass ich das tatsächlich glaube. Am tatsächlichen, eigentlichen Narzisse-Sein der Narzisse ändert das aber nichts. Es fügt ihrem Wesen nichts rosenhaftes hinzu.

Wer behauptet, Kirche zu sein, muss auch Christus kennen. Christus ist aber die Wahrheit. Wer die Wahrheit kennt, muss sie verkünden, oder es mangelt ihm an Liebe zu denen, die der Wahrheit bedürfen. Wer sie nicht verkündet, kennt also entweder Christus nicht oder verweigert sich ihm willentlich. Es hat nichts, gar nichts mit Menschenfreundlichkeit zu tun, Menschen Wahrheit vorzuenthalten, weil sie für sich wünschen, die Wahrheit sei anders, als sie ist.

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8 Kommentare

  1. Übrigens:
    Kürzlich bin ich auf folgende Bibelstelle gestossen:
    Mal 2,15
    Hat er (der Herr) nicht eine Einheit geschaffen, /
    ein lebendiges Wesen? Was ist das Ziel dieser Einheit? /
    Nachkommen von Gott. Nehmt euch also um eures Lebens willen in Acht! /
    Handle nicht treulos an der Frau deiner Jugend!

    Ich hatte gar nicht gewusst, dass das schon im AT so klar ausgedrückt ist.

  2. Super Artikel und toll auf den Punkt gebracht! Ich glaube ich schicke den Artikel mal einem Pastoralassistenten den ich kenne der findet nämlich man sollte alles und jeden trauen.

    Die meisten Leute heutzutage haben leider dank katastrophaler Katechese keine Ahnung mehr von der wunderschönen Wahrheit, die unser Glaube lehrt. Die Ehe als Einheit in der aus Liebe neues Leben entsteht. Die meisten Menschen heiraten ja heute nur noch kirchlich wegen der Zeremonie und weils halt Tradition ist. Ich kenne sogar einige Atheisten die kirchlich geheiratet haben oder heiraten wollen. Ich habe auch mal von einem Pfarrer gehört, dass Leute gefragt haben, ob er Gott bitte nicht so häufig erwähnen könnte. Leider liegt es dann halt nahe wenn Alice und Bob nur wegen der Zeremonie heiraten, sieht halt schon schöner aus wie auf dem Standesamt, wieso sollten dann nicht auch Bob und Charlie eine schöne Zeremonie haben? Ist halt voll fies und so. Und da man sich Kirchensteuerzahler nicht vergraulen will erzählt man ihnen auch bei der „Ehevorbereitung“ nichts davon was eine Ehe wirklich ist.

  3. Im Grunde gibt es ohnehin keinen Grund, überhaupt zu heiraten, wenn man die Ehe nicht im christlichen Sinne versteht. Außer aus steuerlichen Gründen. Aber dann reicht das Standesamt.

    Im Grunde ist diese Aussage die Quintessenz Ihres ganzen Artikels mit dem gründlichsten Protestanten-Bashing, das ich jemals gelesen habe. Kompliment dafür! (aber die Evangelen, diese Häretiker, Ketzer haben sich das ja auch redlichst verdient)

    Ich bin mit Ihnen völlig d’accord, dass eine bürgerliche Eheschliessung vor dem Standesamt völlig ok ist für gleichgeschlechtlich Liebende, so wie sie in Spanien möglich ist und wie sich das irische Volk, Sie wissen ja, fast alles römisch-katholische Gläubige, in die Verfassung geschrieben hat. Per Volksentscheid. Sozusagen direttissima.
    Wenn Sie als strenggläubige Katholikin das auch so sehen, dass die Zivilehe das richtige für gleichgeschlechtlich Liebende ist, warum um Gottes Himmels Willen feuert die römisch katholische Kirche vom Papst über die Kardinäle und Bischöfe bis zum kleinsten Dorfkaplan aus allen Rohren gegen die Zivilehe vor dem Standesamt?
    Im Ostblock soll das sogar per Verfassung verboten werden. Als würden die Wünsche des katholischen Klerus automatisch Gesetzeskraft für alle Menschen, völlig unabhängig von ihrer Weltanschauung oder Religion, erlangen müssen. Das sind ja beinahe muslimische Verhältnisse wie im arabischen Wahhabismus, der auch allen Menschen aufgezwungen werden soll. Keine Bibel, keine Kreuze oder gar Kirche inSaudi Arabien. Sind wir Katholiken wirklich schon so tief gesunken, dass wir uns mit solchen Eiferern auf die gleiche, unterste Stufe stellen wollen?

    Ich frag ja nur. Das sind nämlich unsere eigenen Argumente, die uns demnächst um die Ohren gehauen werden, wenn die katholische Kirche wieder in weinerliches, ja hysterisches Gejammer verfällt, wenn wieder ein Land seinen gleichgeschlechtlich liebenden Bürgerinnen die Ehe vor dem Standesamt öffnet.

    • Erst einmal sorry, für die späte Antwort, der Kommentar ist mir irgendwie durchgerutscht!

      Zur Frage: Nun, die katholische Kirche wehrt sich ja politisch in erster Linie gegen die unkorrekte Umdefinition der Begrifflichkeiten. Ich finde es (bis zu einem gewissen Grad) unabdingbar, politisch dann aktiv zu werden, wenn das, was beschlossen werden soll, dem christlichen Menschenbild widerspricht. Und zwar deshalb, weil, da es die Wahrheit über den Menschen wiedergibt, das, was ihm entgegensteht, schlecht für den Menschen sein MUSS. Andersherum können Gesetze NATÜRLICH nicht explizit christlich sein, aber dem Sinn nach dem christlichen Menschenbild und dem Naturrecht entsprechen. Dann ist alles super. Aber wir müssen ja als Katholiken dann mitansehen, wie Menschenleben und Seelenheil zerstört wird, und das können wir ja nicht einfach unkommentiert lassen. Dass das nicht nur theoretisch ist, sehen wir an den Fragen, die die Homoehe im Schlepptau hat, nämlich Adoption, Leihmutterschaft, Recht des Kindes auf Vater und Mutter etc. Hier sehen wir lauter Dinge, die auch abseits vom Glauben jedem vernunftbegabten Menschen klar sein müssen, die zwangsläufig in Gefahr geraten, wenn die Homoehe durchkommt…Es ist eigentlich ein Zeichen der Fürsorge, wenn die Kirche die atheistischen Gesellschaften nicht sich selbst überlassen will. (es ist auch eine Notwendigkeit zum Selbstschutz, denn je mehr sich Realität und Lebenswelt voneinander entfernen, desto schwieriger wird auch irgendwann die Lage der Kirche sein!)

  4. OAus katholischer Sicht sind Ihre Ausführungen ja ok, aber unser Staat ist nun mal nicht katholisch und DARF es vor allem gar nicht sein und in der Tiefe Ihres reinst katholischen Herzens wissen Sie auch warum.

    Leider ist Ihre katholische Haltung durch nichts, aber auch gar nichts gestützt, weder durch unser positives gesetztes Recht (was das Land vom angeblich unveränderlichen „Naturrecht“ hält, hat der Deutsche Bundestag bei Joseph Ratzingers Rede im Reichstag gezeigt. Freundliche Nichtbeachtung) noch durch irgendeine sozialwissenschaftliche Erkenntnis.

    Und einfach aus Glaubensgründen gleichgeschlechtlich Liebenden die Eheschliessung verbieten zu wollen, stellt uns auf eine Stufe mit geifernden Mullahs, die per Scharia allen Menschen ihren Glauben aufzwingen wollen.
    Wohin das führt können Sie an den blutigen Freitagen auf Saudi Arabiens öffentlichen Plätzen bewundern, wenn dort wieder „Hexen“ geköpft und vergewaltigte Frauen ausgepeitscht werden.

    Nein, Glauben hat in unserem Rechtssystem nichts, aber auch gar nichts verloren, mögen Sie/sie noch do sehr bedauern, dass religiöse Sünden nicht mehr per Strafgesetzbuch geahndet werden. Wir dind ja nicht in der Türkei. Oder gar Saudi Arabien.

    • Nun, ich sehe das grundsätzlich anders. Zum einen ist nicht jedes Rechtssystem gleich gut. Ein gutes Rechtssystem orientiert sich an Gottes Gesetz. Dieser Satz ist höchst missverständlich, ich weiß, schreibe es aber trotzdem: Denn von Gott kommt die Würde des Menschen, von Gott kommt als dem einzig „Guten“ überhaupt ein Maßstab für gut und böse. Man kann zwar ein Rechtssystem auch abseits davon aufbauen, nämlich, in dem ein Kollektiv (Volk) sich dazu entschließt oder dazu gewzungen wird, aber dies ist so sehr gegen die innere Zwangsläufigkeit des Gewissens, gegen das innerste Wissen des Menschen gerichtet, dass man z.B. Nazis und auch Mauerschützen verurteilt hat, obwohl ihr tun gemäß ihrem Rechtssystem RECHT war. Wir wissen also im tiefsten innern, dass nicht jedes Recht recht ist, und dementsprechend streben wir nach einem System, das die tatsächlichen Verhältnisse von gut und böse so gut wie möglich (ganz GErecht kann menschliches Recht nie sein) widergibt. Daher hat der Glaube bereits seinen Platz im Rechtssystem. Der Islam ist ein schlechtes Beispiel, weil der Islam selbst eine Gesetzesreligion IST. Der Islam ist zu einem großen Teil schlicht die Einteilung menschlichen Handelns in recht und unrecht, nicht in gut und böse! Daher kann man ein auf dem Katholizismus beruhendes Rechtssystem (und die europäischen Rechstsysteme haben natürlich auch den Katholizismus als entfernte Grundlage, wie überhaupt fast alle kulturellen Gegebenheiten in Europa) nicht vergleichen mit einem islamischen. Beide funktionieren einfach unterschiedlich. Daher ist auch der Vergleich einfach hanebüchen. Ein Christ HASST nicht einen Homosexuellen. Er fasst dessen Tat als Sünde auf. Ebenso, wie er seine eigenen Taten als Sünde auffasst, übrigens! Wir brauchen auch übrigens gar keine sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse, es reichen die Naturwissenschaften ! Mann und Frau=Baby. So einfach ist das. Wenn wir eine solide Gesellschaft brauchen, brauchen wir solide Menschen, und solide Menschen entstehen durch solide Familien. Das sagt Ihnen jeder Kinderpsychologe, aber die fragt man nicht, weil man ja ideologisch etwas durchbringen will, und da könnten Fakten und Sachverständige ja nur stören! Daher ist die Ehe sinnvoller- und vernünftigerweise (auch von Nichtkatholiken) zu schützen, gegen Aufweichung des Ehebegriffs. Denn wenn der Eindruck entsteht, ein Zusammenleben von zwei Männern sei dasselbe wie eine Ehe, so sind die nächsten Forderungen Adoption und Legalisierung der Leihmutterschaft. Das ist keine Distopie, das ist Tatsache bereits überall dort, wo die Homoehe besteht. Und spätestens dann werden Sonderrechte einer Gruppe von Menschen, die ihre biologische Natur nicht akzeptieren wollen, über die Grundrechte von Kindern und Frauen gestellt. Und das hat nichts mit dem Glauben zu tun. Wäre es allein eine religiöse Frage (das ist etwas anderes als eine GLAUBENSfrage!), könnte es uns egal sein, denn getraut werden können zwei Männder sowieso nicht. Übrigens wurden religiöse Sünden NIE per Strafgesetzbuch bestraft in Europa. Wenn ein Sachverhalt von der weltlichen Macht als schädigend angesehen wurde, dann wurden sie per Gesetz bestraft, aber nicht, weil es „religiös“ war, sondern, weil man sie als das Allgemeinwohl schädigend/ gefährdend angesehen hat. Homosexuelle Handlungen sind demnach da, wo sie bestraft wurden, eben bestraft, weil sie als die Stabilität und Moral der Gesellschaft gefährdend angesehen wurden, nicht, weil sie in Augen der Kirche Sünde ist.

  5. Ich schnappe bei sowas immer nach Luft. Einmal vom offenkundigen Problem der Leihmutterschaft (egal ob für heterosexuelle oder homosexuelle Paare) abgesehen und bei allem Respekt:
    Religiöse Menschen müßten umgehend damit aufhören, sich in das Intimleben anderer Leute einzumischen und zuallererst einmal die peinliche Scham über das nicht wiedergutzumachende Elend und Leiden lernen, das mit religiösen Reinheitsideologien und kirchlichen Sexuallehren in die Welt kam.
    Dabei würden sie auch erfahren, wie sehr ihre Indoktrinationssucht korreliert mit ihrer eigenen gestörten psychosexuellen Entwicklung und welche Dynamik sie antreibt, aus ihrem eigenen verdrängten Leiden aus Kindheit und Jugend die „Produktion des Bösen“ (Alice Miller) voranzutreiben.
    Dieses „Böse“ liegt in der Entfremdung des Menschen mit sich selbst.
    Im Rahmen der kath. Sexuallehre ist ein spielerischer, liebevoller Umgang mit der kindlichen und pubertären Geschlechtlichkeit schlichtweg nicht möglich, diese lustvoll fühlbare Geschlechtlichkeit hat ganz einfach nicht zu existieren. Über Jahrhunderte hinweg wurden so unzählige Menschen tief mit sich selbst gespalten, mit völlig unabsehbaren Folgen!
    Sprechen wir es klar an: Kindliche und jugendliche sexuelle Selbstbefriedigung hat über Jahrhunderte hinweg in einem Rahmen stattgefunden, innerhalb dessen sich der junge Mensch ungeliebt vorkommen mußte, ebenso bei einer eventuellen nichtheterosexuellen Entwicklung.
    Nocheinmal: Das zentrale Moment emotionaler Entwicklung fand außerhalb des Erlebens personaler Liebe statt: DAS ist eine Todsünde.
    Daraus ergibt sich kurz zusammengefasst unter anderem der, mit Verlaub, vollendete Größenwahn, daß ein Mensch seinem Mitmenschen – von „Gott“ her! – einreden will, die jeweilige Frage nach Zärtlichkeit, Erotik, Partnerschaft und Liebe sei gewissermassen vorgegeben, vorbelastet und wäre irgendwie abhängig von der Konstellation der Geschlechtsorgane.
    Demnach dürfe ein Mensch nur dann Zärtlichkeit und Sexualität erleben, wenn der in Frage kommende Partner andere Geschlechtsorgane habe als er selbst, ansonsten müsse er – ohne Ansehen der Person – einfachhin mal gerade so sein ganzes Leben lang auf Zärtlichkeit und Sexualität verzichten. Das begründet der indoktrinierende Mensch mit seinem „Gott“, dessen Willen er angeblich aus der „Natur“ ableitet.
    Welche Grausamkeit daraus generiert wird, erlebt man zur Zeit unmittelbar bei den Horroraufzügen von „Demo für Alle“ und dem daran anschließenden politischen Arm „AfD“.
    Demnach dürfe man keine Politik für eine „verschwindende Minderheit“ (Gabriele Kuby) nichtheterosexueller Menschen machen, sondern sich am Erleben quasi der völkischen Mehrheit orientieren.
    Wenn in wesentlichen religiösen Passagen ursprünglich – vom Menschen her! – angedacht war, daß gerade der Minderheit, ja, sogar dem EINEN verlorengegangenen Menschenschäfchen, evolutionsmäßig genaugenommen dem Menschenäffchen, nachgegangen werden soll, präsentiert sich bei den „Naturrechtlern“ um Ratzinger und dergleichen herum gerade das Gegenteil einer menschlich-menschenwürdigen, oder, wenn man so will, christlichen Haltung!
    Grausamkeiten aber haben wir uns im blutigen Übermaß angetan, und kein Natur – oder Kirchengott hat das je verhindert.
    Das transzendent gesetzte höchste menschliche Ideal, „Gott“, darf für uns Menschen nichts anderes mehr sein als die personal und mitfühlend liebende zugeneigte Gegenüberhaftigkeit als solche.
    Gott, das sei die Menschlichkeit als das innerste Moment intercerebralen, interpersonalen Wohlwollens.

    Gruß

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