Das Patriarchat – Liebeserklärung an ein missverstandenes Konzept

Ist das Patriarchat nicht hoffnungslos veraltet und überholt? Nein. Im Gegenteil: Es muss wieder- und neubelebt werden!

Ich bezeichne mich gerne als „dem Patriarchat sein größter Fan seit Moses“. Natürlich ist es einfach, dieses Prinzip zu „bashen“: Dadurch kann man etwa in der aktuellen Islamdebatte an seiner Friede-Freude-Eierkuchen-Rezeption einer totalitären Ideologie festhalten und einfach das Jahrtausende alte Modell des Patriarchats zum Sündenbock erklären. Wenn also etwa muslimische Männer Frauen zum Objekt degradieren, für Menschen zweiter Klasse halten, unterdrücken, bedrängen oder gar ermorden, dann liegt es nicht am Islam, sondern am im Nahen Osten immer noch vorherrschenden patriarchalen Prinzip (Subtext: Das bei uns – Gott, den es nicht gibt sei Dank – abgeschafft ist, aber zu Zeiten der Vorherrschaft des Christentums auf europäischem Boden ebenso zerstörerische und üble Missstände hervorgerufen hat, wie heute im Nahen und Mittleren Osten). Man hat damit ganz effektiv zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Islam wird in gewissem Sinne rehabilitiert, da ihm die Verantwortung für seine eigenen Prinzipien abgesprochen wird, das Christentum dagegen wird diskreditiert, da es nur durch Aufklärung, Revolution und Feminismus zur Aufgabe seiner frauenverachtenden Struktur gezwungen werden konnte. Diese Lesart ist leicht zu durchschauen, aber leider trotzdem verbreitet.

Tatsächlich ist diese Ansicht halb wahr, und damit schwieriger zu widerlegen als eine offensichtlich falsche Darstellung. Richtig ist, dass ein falsch verstandenes, verzerrtes Patriarchat zu Recht abgeschafft und bekämpft gehört. Richtig ist, dass solch falsch verstandenes Patriarchat auch im christlichen Raum zu finden ist. Allerdings wäre gesondert zu betrachten, inwieweit Fehlentwicklungen in diesem Bereich ihre Ursache tatsächlich im Christentum selbst haben und nicht viel mehr bereits in dessen Erosion.

Nun hebt falsches Verständnis richtiges Verständnis nicht auf, und es ist keineswegs so, dass das Christentum nicht sehr deutlich machen würde, worin echtes Patriarchat bestünde – lediglich aufgrund der Schwachheit der menschlichen Natur, die sich durch Macht leicht korrumpieren lässt, ist es möglich, es auf dem Boden der christlichen Botschaft zu missbrauchen.

Es ist eine Errungenschaft und eine bleibende Aufgabe des Christentums, dieses Prinzip, das seit Jahrtausenden in fast allen Kulturen gilt, von Missverständnissen und Einseitigkeiten zu reinigen und zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurückzuführen, denn es ist keineswegs eine willkürliche soziale Einrichtung, sondern speist sich aus dem Wesen Gottes, der „Vater“ ist –die unterschiedliche inhaltliche Qualität des Modells in der christlichen und der muslimischen Welt rührt sicherlich nicht zuletzt aus dem völlig unterschiedlichen Gottesbild!

Zwar ist die Bezeichnung Gottes als Vater nicht exklusiv dem Christentum vorbehalten- wohl aber die Bezeichnung Gottes als „Abba“, also „Papa“. Und hier liegt eigentlich auch schon der ganze Unterschied: Das Christentum besteht darauf, dass Vaterschaft sich nicht in erster Linie durch Machtausübung auszeichnet, sondern durch liebevolle Fürsorge und Dienst, durch ein Hintanstellen der eigenen Bedürfnisse, des Stolzes und des Eigensinns. Der wahre Vater opfert sich auf für seine Familie. Der wahre Vater gibt alles für sie hin, kämpft für sie, schützt und behütet sie.

Auf Gesellschaft und Staatswesen ausgeweitet bedeutet dies auch, dass ein Herrscher in erster Linie Diener der Beherrschten ist, und zuerst verantwortlich für deren Wohlergehen.

In diese Lesart des Begriffes reiht sich also nicht nur das christliche Verständnis von Vaterschaft ein, sondern auch das christliche Verständnis von Herrschaft im Allgemeinen, die niemals absolut, sondern dem Wohl aller verpflichtet ist. Insofern entbehrt jede patriarchale Machtausübung, die nicht diesem Ziel dient, der Legitimation und offenbart eine Verfälschung des ursprünglichen Gedankens.

Seinen vollkommensten Ausdruck auf Erden findet dieser Gedanke wohl in der Vaterschaft des Heiligen Josef: Selbst nach heutigem Stand hätte Josef im Nahen und Mittleren Osten jedes Recht gehabt, Maria, die er für untreu und unkeusch halten muss, nicht nur zu verstoßen, sondern sie öffentlich der Schande und sogar dem Tod durch Steinigung preiszugeben. Er verzichtet auf dieses „Recht“ – und die Bibel nennt diesen demütigen Verzicht auf Befriedigung des eigenen Stolzes „Gerechtigkeit“. Ganz klar also distanziert sich die Heilige Schrift von einem Verständnis, das patriarchale Machtausübung zum Schaden der Frau zulässt – selbst dann, wenn es nach dem allgemeinen gesellschaftlichen Konsens legitim und üblich wäre. Statt dessen ist Josef die verborgene, sich selbst verleugnende Stütze der Heiligen Familie – selbst in unserer Ikonographie rückt er Frau und Kind in den Mittelpunkt bishin zur Unsichtbarkeit und macht damit den hohen, sehr hohen Anspruch deutlich, den das Christentum an die Vaterschaft richtet.

Darin wird ein fundamentaler Unterschied zur Auffassung des patriarchalen Prinzips in Islam und Christentum deutlich: Während im Islam die Vorherrschaft des Mannes in erster Linie Machtausübung gegenüber der Frau und Festigung der Machtansprüche ihr gegenüber bedeutet – durch Gewalt, ein die Frau benachteiligendes Rechtssystem und auch durch sexuelle Unterdrückung – bedeutet sie im Christentum Schutz und Dienst im Sinne der Frau und der Familie. Dass auch ein christlicher Mann durch Bequemlichkeit und Eigensinn dazu verleitet wird, den Inhalt des Begriffes in „seinem“ Sinne zu verfälschen, spricht für die Schwäche und Anfälligkeit des menschlichen Wesens, nicht gegen das Patriarchat. Denn was uns blüht, wenn dieses Prinzip völlig abgelehnt statt korrigiert wird, sehen wir in der nordwesteuropäischen Gesellschaft: Eine vaterlose Gesellschaft, in der die Frau tatsächlich kaum weniger zum Objekt degradiert wird, als in einer, die das Patriarchat in erster Linie als Herrschaft des Mannes definiert , eine Gesellschaft, in der die Verantwortung füreinander nicht mehr gelehrt und nicht mehr praktiziert wird, in der die Partnerschaft zwischen Mann und Frau nur mehr ein Pakt zur eigennützigen Bereicherung am jeweils Anderen gerät, und in der Tugenden wie Ritterlichkeit, Zuvorkommenheit und Hingabe nicht mehr existent sind.

Wir sehen die Konsequenzen auch konkret in den Abtreibungszahlen: Schon die Verhütungsmentalität lädt letztendlich die Verantwortung bei der Frau ab, die sich entweder schädliche und gesundheitsgefährdende Substanzen zuführen muss, um bloß immer verfügbar zu sein, oder aber sich bei Versagen anderer Verhütungsmethoden dem „Schlamassel“ nicht selten allein stellen soll, inklusive der schweren psychischen und körperlichen Folgen, die eine Abtreibung mit sich bringt. Dementsprechend sind die meisten Abtreibungen nicht Resultat eines Verbrechens oder einer medizinischen Indikation, sondern der schlichten Verweigerung des Mannes, Verantwortung zu übernehmen und Stabilität zu bieten, was der Frau erlauben würde, ihrer Mutterschaft ohne existenzielle Ängste entgegenzusehen, auch, wenn es nicht dem ursprünglich angepeilten „Lebensplan“ entspricht. Während die Frau also chronisch überbelastet wird, weil kein positiv konnotiertes Vaterbild tradiert wird, wird der Mann zur Taten- und Bedeutungslosigkeit verdammt: Er darf nicht schützen noch sorgen, nicht die Tür aufhalten oder in den Mantel helfen. Dass er dann nicht einsieht, anderweitig Verantwortung zu übernehmen, verwundert nicht.

Ich möchte noch weiter gehen, auch, wenn ich den folgenden Punkt nicht erschöpfend behandeln kann: In einer nicht patriarchalen Gesellschaft (oder einer, die es werden will), tritt Machtmissbrauch seitens des Mannes ebenso zum Nachteil der Frau auf, wie in einer einseitig patriarchalen – er kann aber nun nicht mehr als missbräuchlich gekennzeichnet werden und wird lediglich als Macht“gebrauch“ charakterisiert werden können, da es ja eine positive Formulierung von Pflichten, die das Patriarchat dem Mann auferlegt, nicht mehr gibt! Für dieses Phänomen kennen wir alle Beispiele aus unserem Alltag, beginnend bei Kleinigkeiten wie dem Kampf um den Sitzplatz in überfüllten Bussen, und wie gesagt kumulierend in der Verantwortungslosigkeit gegenüber Mutter und Kind.

Als Christen sind wir dazu berufen, nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten und ein in sich gutes und sinnvolles Prinzip nicht zu opfern, weil es falsche Konzepte davon gibt. Im Grunde gibt es überhaupt nichts Gutes, was nicht missverstanden, missbräuchlich angewendet oder im Sinne bestimmter Interessen instrumentalisiert werden würde. Dieses Problem bietet sich uns bei allen Prinzipien; denken wir nur an die Begriffe Freiheit, Volk, Solidarität oder Gleichwertigkeit. Welcher dieser Begriffe ließe sich nicht mit falschen und dem eigentlichen Sinn entgegengesetzten Inhalten füllen?

Als Christen sollen wir helfen, die Inhalte im Sinne Gottes wiederherzustellen.

In diesem Sinne wünsche ich einen gesegneten Festtag des Heiligen Josef, den die katholische Kirche u.a. mit dem Titel „Zierde des häuslichen Lebens“ ehrt – klingt nicht gerade männlich-brutal-patriarchal, sondern vielmehr zart und liebevoll. Dieses Bild von verantwortungs- und aufopferungsvoller Vaterliebe sollten wir den Menschen heute in Europa wieder ins Gedächtnis rufen. In Spanien ist der heutige Tag der „Vatertag“: Lasst uns also die Väter bestärken, die Berufung zum Dienst an der Familie wahrzunehmen und lieben zu lernen. Und lasst uns an diesem Tag auch an unsere geistlichen Väter denken, ihnen danken und für sie beten: An die Priester, Bischöfe und unseren Heiligen Vater, die in echter Hingabe nicht nur auf die eigene biologische Vaterschaft verzichten sondern auch in vielem Anderen ihr Leben ganz und gar aufopfern, um uns zu Diensten zu sein, die wir als Kinder Gottes auch ihre Kinder sind.

Heiliger Josef, bitte für uns!

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18 Kommentare

  1. Hallo MaryOfMagdala

    Dies ist mein erster Kommentar hier. Finde diesen Blog eigentlich absolut super, nur der Beitrag hier finde ich leider schon sehr bedenklich. Natürlich wäre es schön, wenn Männer mehr Verantwortung für die Kinder, die sie (ausversehen) gezeugt haben übernehmen würden, nur desswegen den Frauen jegliche Freiheit zu nehmen? Ich selbst würde mich nicht als hardcore Feministin bezeichnen, jedoch danke allen Generationen vor mir für ihre Arbeit. Denn in einer patriarchalen Welt, auch in einer perfekten, sind die Frauen doch nur Menschen zweiter Klasse, sie können nur bedingt am öffentlichen Leben teilnehmen, sie haben kaum bis keinen Zugang zu Leitungsfunktionen und sie werden wohl schlicht und ergreifend auf das häussliche reduzuert. In unserer heutigen Gesellschaft kann ich als Frau studieren, Ingenieurin werden und auch im Berufsleben Führungspositionen übernehmen. Dies alles wäre in einer patriarchalen Gesellschaft undenkbar. Hätte ich die Auswahl zwischen einer guten Bildung (in dem Fach in dem ich Talente habe und nicht das welches zu meinem Geschlecht passt) und Männern die mir die Türe öffnen, ist glaube ich klar, dass ich die Bildung bevorzuge. Klar ist unsere Gesellschaft nicht perfekt, sie ist sogar sehr weit davon entfernt. Jedoch ist mir diese Gesellschaft 1000mal lieber wie eine in der ich zum Hausmütterchen verdonnert bin, egal wie lieb und fürsorglich der Mann ist. Dies mag alles sehr egoistisch klingen, ist es vielleicht auch, keine Ahnung, aber es geht mir nicht in erster Linie darum nur auf meinen eigenen Vorteil zu schauen, ich denke es täte auch den Männern gut die Gleichberechtigung voll und ganz zu akzeptieren. Ein Mann, der sich nicht mehr als irgendwie der Frau übergeordnet sieht, dem wird auch bewusst sein, dass er an einem entstandenen Kind genauso mitverantwortlich ist und sich somit um das Kind kümmern. Die Männer in unserer Gesellschaft sind häufig immernoch in patriarchalen Denkstrukturen verhaftet.

    Sorry wenn der Kommentar jetzt etwas sehr lang geworde ist.

    • Liebe Tina,
      danke für deine Rückmeldung, du gibst mir Stoff für zahlreiche Blogeinträge ;).
      ich wundere mich, dass der Inhalt des Artikels so krass missverstanden werden kann. Das ist nicht böse gemeint ;), vllt muss ich da klarer formulieren: Aber du beschreibst etwas, was ich im Artikel ganz klar kritisiere, nämlich ein NICHT im christlichen Gottes- und Menschenbild verwurzeltes Patriarchat. Ich lade dagegen dazu ein, zu entdecken, was Patriarchat bedeuten KANN und SOLL, wenn man es christlich liest. Warum ich meine, dass man es tun sollte? Weil die christliche Kultur ganz klar patriarchal ist. Entweder ist sie also freiheitsberaubend gegenüber der Frau ODER es ist eben falsch VERSTANDEN, wenn es solche Dimensionen annimmt. Dagegen verbindet das Christentum die Überordnung des Mannes auf geniale Weise mit der GLEICHWERTIGKEIT der Partner und der GEGENSEITIGEN Unterordnung untereinander.

      Du schreibst: „…nur desswegen den Frauen jegliche Freiheit zu nehmen?“ WO wird das behauptet?

      Du gehst in deiner Kritik überhaupt nicht darauf ein, dass ich ja gerade eine ANDERES Patriarchat meine, sondern kritisierst einfach alle Inhalte, die du völlig zu Recht schlecht findest. Daher kann und will ich dir darin gar nicht widersprechen 😉 Nur ist eben meine Aussage: All dieses Schlechte ist nicht von Gott gedacht, sondern von den Menschen in dieses Prinzip eingebracht – und zwar nicht nur von „bösen“ Männern, sondern auch von linken etc. Kreisen, die das Patriarchat diskreditieren wollen.

      Ich möchte, dass man sich mal mutig von den „selbstverständlichen“ angeblichen Wahrheiten löst und schaut, was passiert, wenn man einen Begriff konsequent christlich denkt.

      Weitere Zitate von dir möchte ich in Frage stellen: „In unserer heutigen Gesellschaft kann ich als Frau studieren, Ingenieurin werden und auch im Berufsleben Führungspositionen übernehmen. Dies alles wäre in einer patriarchalen Gesellschaft undenkbar“ Wieso wäre das undenkbar? Im Mittelalter haben Frauen oft neben ihren Männern Betriebe mit geführt, oder waren sogar maßgeblich für wirtschaftliche Dinge verantwortlich.

      „Jedoch ist mir diese Gesellschaft 1000mal lieber wie eine in der ich zum Hausmütterchen verdonnert bin, egal wie lieb und fürsorglich der Mann ist.“ Wo liest du, dass das so sein soll? Übrigens scheint ja das Hausmütterchen eine Art Urangst der modernen Frau zu sein. Meiner Ansicht nach liegt das daran, dass man im Grunde eine total frauenfeindliche Gesellschaft hat. Vllt. blogge ich darüber noch einmal ausführlich: WIESO ist Leistung im Beruf bei uns so viel angesehener, als die Leistung, eine wahre Mutter zu sein (was alles andere als „reduziert“ oder „degradiert“ ist, sondern eine der wichtigsten Aufgaben, die die Gesellschaft zu bieten hat?) Und ist wirklich jeder Beruf „selbstverwirklichend“??? Das wird behauptet, nicht, weil unsere Gesellschaft patriarchal wäre, sondern, weil Feminismus lange Zeit zum Ziel hatte, dass die Frau alles tun solle, was der Mann tut, womit automatisch die männlich konnotierten Werte zu den einzig gültigen wurde. Das aber ist eine Abwertung der Frau. Allerdings ist dieser Bereich „Arbeit vs. Mutterschaft“ (als sei Mutterschaft keine Arbeit…) EIGENTLICH ein ganz anderer Komplex und hat mit dem Patriarchat sehr sehr wenig zu tun, dafür aber mit der Trennung der Bereiche Haus und Arbeit im 19. Jhdt.

      Gleichberechtigung und Patriarchat sind KEINE Gegensätze, wenn man sie nicht zu Gegensätzen konstruiert.

      Natürlich kann man der Ansicht sein, dass die Familie, anders als alle Strukturen die wir so kennen (Staat, Gesellschaft, Schiff, Musik, …) keine Führung braucht. Ich sehe das anders. Aber wie gesagt, ist diese Führung im christlichen Sinne eben NICHT freiheitsberaubend, sondern gewährleistend, NICHT degradierend, NICHT entrechtend, etc. Es ist wie gesagt so, dass im Großen und Ganzen Frauen im Mittelalter und auch noch in der frühen Neuzeit deutlich größere Entfaltungsmöglichkeiten hatten, als etwa im 19. Jhdt., in dem man sich von der katholischen Lehre grundlegend emanzipierte und an die Stelle der göttlichen Ordnung die Natur trat, und man mit biologistischen Scheinargumenten die Frau degradiert hat.

      Meiner Ansicht nach gehst du verknüpfst du Dinge miteinander, die nichts miteinander zu tun haben und konstruierst künstliche Gegensätze (und gehst damit der 68er Propaganda auf den Leim): „Hätte ich die Auswahl zwischen einer guten Bildung (in dem Fach in dem ich Talente habe und nicht das welches zu meinem Geschlecht passt) und Männern die mir die Türe öffnen, ist glaube ich klar, dass ich die Bildung bevorzuge. “ Wieso soll das eine mit dem anderen Hand in Hand gehen? Gruß! Und P.S.: Dein Kommentar ist nun wirklich nicht „lang“ (s. meine Antwort drauf ;))

      • Liebe MaryOfMagdala

        Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Zuerst möchte ich mich entschuldigen, falls ich deinen Blogbeitrag völlig falsch verstanden habe.
        Das Patriarchat ist so etwa das Thema, welches mich am allermeisten an der kath. Kirche stört und beinahe zum Austritt bringt. Wenn ich mir Texte zum Thema Frauen, Männer, Patriarchat etc von vielen Heiligen (und Kirchenlehrern) durchlese erfüllt es mich nicht wenig mit schaudern. Um ehrlich zu sein scheint mir das islamische oder das christliche Patriarchat des 19 Jhd. nur das konsequent zu Ende gedachte Patriarchat zu sein. Den im Patriarchat wird der Mann zum Oberhaupt der Familie ohne zu Fragen wo sein Talente und stärken liegen. Ihm wird Macht gegeben nur weil er ein Mann ist, wieso sollte dann nicht jemand weiterdenken: also ist die Frau irgendwie anders, irgendwie schlechter… vielleicht sollte sie nicht diese und jene Aufgabe übernehmen? Hmm wenn der Mann das Familienoberhaupt ist, kann also auch eine Frau nie eine Führungsposition über einem Mann haben. Schau dir dazumal die Debatten im Ägyptischen Fernsehen an, ob ein Christ oder eine Frau Präsident werden kann, da werden genau diese Gedanken konsequent zu Ende gedacht.

        Ich möchte mich entschuldigen, dass es in meinem Kommentar so klang, alsob ich die Rolle der Mutter abwerten wollte. Mei Kommentar war sehr unglücklich formuliert. Das einzige was ich eigentlich damit sagen wollte, ist dass ich nicht in eine Rolle gedrängt werden möchte für die ich 0 Talent habe. Ich bewundere alle Mütter, den ich weiss ich könnte das niemals.

        Eine Frage in einer idealen katholischen patriarchalen Familie könne dort die Rollen vertauscht werde? Sprich der Vater bleibt zuhause putzt, kocht und kümmert sich um die Kinder und die Frau verdient das Geld.
        Eine weitere Fragen könnte in einer idealen kath. patriarchalen Gesellschaft eine Frau eine Führungsposition einnehmen oder gar Stattoberhaupt sein?

        Wenn man sich die Kirche anschaut, da dürfen Frauen ja nichts was anspruchsvoller ist wie Blumenschmuck aufstellen. Im Mittelalter gab es Äbtissinen, die wie Bischöfe regiert haben, diese wurde aber vom 2. Vatikanum entgültig verboten. Wenn die Kirche das Vorbild für die Gesellschaft ist, dann möchte ich in dieser Gesellschaft genausowenig leben wie in irgendeinem islamischen Land.

      • Liebe Tina,
        ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und „verspreche“ dir: Wenn du das Patriarchat und die Lehre der Kirche über Mann und Frau wirklich im katholischen Sinne durchdenkst, dann würdest du es sicher nicht mehr so vehement ablehnen.
        Vergiss das 19. Jhdt: Das 19. Jhdt. ist ein Produkt folgender Katastrophen: 1. der französischen Revolution 2. des Missverständnisses, das Aufklärung das Gegenteil vom tradierten Glauben sei. Das 19. Jhdt. ist geprägt von einer Emanzipation vom katholischen Menschenbild und das konnte für die Frau nicht gut ausgehen. Ich verspreche dir einen Blogartikel dazu, sonst spamme ich hier meinen eigenen Blog voll!
        Zum „Oberhaupt“: Was ist denn ein Oberhaupt? Welche Talente braucht es dazu? Niemand ist perfekt. Die Bibel gibt einem Mann den Rat, sich eine kluge Frau zu suchen und auf die dann zu hören (im ALTEN Testament schon!!!). Oberhaupt heißt also nicht, dass man einfach macht, was man will. Ehe ist also natürlich zuerst eine Partnerschaft. Aber jetzt geh mal von einer Extremsituation aus: Krieg, Flucht. Würdest du da als Frau die „Führung“ übernehmen wollen? Obwohl du viel eher der Gefahr ausgesetzt bist, den Platz im Boot nicht zu ergattern. Oder vergewaltigt zu werden. Oder oder oder. Hier brauchst du als Frau, zumal mit Kind, einen, der dich bedingungslos liebt und schützt. Hört frau nicht gern, ist aber so. Wie ich also schrieb, bedeutet das Oberhaupt-Sein des Mannes in erster Linie, Veranwtortung zu übernehmen, „mehr“ nicht, aber das ist eben schon viel.
        Zum Muttersein: Woher weiß eine Frau eigentlich, dass sie kein Talent dazu hat? Was ist das „Talent“, das eine Mutter braucht? Muttersein ist in sich eine Eigenschaft, keine Tätigkeit. Es gab und gibt immer Frauen, die einen anderen Weg wählen, manche, OBWOHL sie gerne auch Mütter wären. Auch in der katholischen Kirche. Und das wurde und wird auch immer respektiert.
        Ich erlaube mir mal (nicht böse sein), deine Haltung folgendermaßen zu kritisieren: Du hast ein bestimmtes Konzept davon, was du unter Oberhaupt verstehst. Das hat für dich etwas mit Machtausübung zu tun und ohne es zu reflektieren verstehst du Machtausbübung als eine Art von Machtmissbrauch. Also: Das Oberhaupt ist in erster Linie jemand, der verbietet und bezwingt. Das möchtest du mit dir nicht machen lassen. Verständlich. Aber ist denn das wirklich das, was die Bibel meint? Nein. Ist es nicht. Du kämpfst also da sozusagen gegen Windmühlen, die du fälschlicherweise für Riesen hälst.

        Zu deiner Frage: In einer idealen katholischen Familie wird davon ausgegangen, dass eine Frau gerne Mutter sein möchte. Daher ist es eher unideal, wenn sie vorrangig arbeitet, jedenfalls in der typischen Büro- oder Fabrikarbeitswelt (das sind aber nicht die einzigen Arbeitswelten, die unsere Gesellschaft zu bieten hat!). Das hat auch mit dem Kindeswohl zu tun, denn gerade kleine Kinder brauchen zuerst die Mutter. Wie sinnvoll wäre es, wenn eine Frau Kinder hat, die noch gestillt werden müssen, und Papa bleibt zu Hause? Da in einer christlichen Familie das Wohl des jeweils anderen Vorrang hat, würde eine Frau also schon aus Liebe zum Kind versuchen, so viel für das Kind da zu sein, wie es das braucht. Du verknüpfst (typisch 19. Jhdt!) Putzen, kochen, Kinder versorgen, als sei das ein Naturgesetz. Das finde ich lustig. Wieso ist es nicht möglich in deiner Lesart, dass der Mann AUCH putzt und kocht? Natürlich ist das möglich, und da das Christentum nicht wie der Islam totalitär ist, kann das jede Familie so deichseln, wie es für sie am Besten ist. Nur eines ist eben klar (und das mögen Frauen heute nicht hören): In KEINER christlichen Struktur geht es zuerst um MEIN Wohl und um MEINE Selbstverwirklichung. Das gilt für Mann und Frau gleichermaßen. Man ist zuerst DEM ANDEREN verpflichtet, und darum kann weder ein Mann noch eine Frau nach eigenem Gusto die eigene Selbstverwirklichung über das Wohl des anderen stellen. Das ist einfach eine katholische Grundeinstellung. Darum verlangt die Ehe immer auch „Opfer“, weil man sich eben umeinander kümmert. Das Problem der modernen Zeit ist, dass man dieses Grundprinzip nicht mehr versteht, und immer meint, wenn die FRAU ein Opfer bringen soll, sei das frauenfeindlich. Man übersieht dabei, dass auch der Mann eben NICHT tun kann, was er will, sondern tun soll, was der Familie dient.

        Frauen hatten in der katholischen Kirche immer wichtige Funktionen (die wichtigste bleibt die der Mutter, weil diese für die religiöse Erziehung der Kinder sorgt und damit sozusagen der Schlüssel zu einer stabilen, gesunden Gottesbeziehung des Individuums ist!). Ich verspreche dir auch dazu einen Blogartikel ;).
        Frauen können in der katholischen Kirche nicht Priester werden, aber wieso setzt du das gleich mit „keine wichtigen Aufgaben“ übernehmen dürfen? Willst du mir ernsthaft sagen, dass es abgesehen vom Priestertum keine wichtigen AUfgaben gäbe? Und ist der Priester „mächtig“? Keineswegs! Dazu verspreche ich dir ebenfalls einen Blogartikel.
        ALso ein wenig Geduld, ich kann deine Einwände gut verstehen, aber ich muss mich ihnen ausführlicher widmen!

        Wie du auf die Idee kommst, eine katholische Frau dürfe/könne keine Führungsposition innehaben, weiß ich nicht. Hl. Magdalena („Apostelin der Apostel“), Hl. Helena, Hl. Hedwig, Hl. Elisabeth, Hl. Agnes vo Prag, Hl. Hildegard, Gertrud, die Hll.Teresen etc etc., um nur einige wenige Königinnen und Führungspersönlichkeiten unter den HEILIGEN der katholischen Kirche zu nennen, abgesehen davon Maria Stuart, Eleonore von Aquitanien und sicher über allen und vor allen Herrscherinnen Isabella von Kastilien sind eindrucksvolle Beispiele. Wenn die antikatholische Geschichtsschreibung diese Frauen ignoriert, marginalisiert oder gar diskreditiert, ist das nicht das Problem der katholischen Kirche! Ach ja, ich vergaß die höchste Kreatur, Königin der Engel, Patriarchen und Apostel, Maria von Nazareth…by the way 😉
        Gruß und wie gesagt, ich freu mich schon auf die Artikel zum Thema…nur ein bisschen Geduld…

  2. Hab erst vor kurzem dieses Blog entdeckt.
    Dieser Artikel über das Patriachat ist wunderschön und besonders die Zeilen über den Hl.Josef. Ebenso die liebevolle klärende Antwort an Tina.
    War früher eine Patriachat“feindin“, weil ich leider als Kind und Jugendliche in Familie (und teils auch Kirche) ein wie oben beschriebenes Zerrbild von Patriachat erfahren habe.
    Später ist dann durch einen langjährigen liebevoll
    dienenden Beichtvater echte Heilung geschehen.
    Neben dieser wichtigen realen Erfahrung wurde mir das Buch „GOTT UNSER VATER“ von Rene Lauretin zu einer echten Offenbarung. Es ist inzwischen mein Lieblingsbuch.
    Seither hab ich eine ganz neue Beziehung zu Gott Vater und zu Vaterschaft.
    Als ob dieses Buch für mich geschrieben worden wäre
    😉

    • Danke für den Buchtipp!

      Ich verstehe total, dass es schwierig ist, sich von liebgewonnenen „Feindbildern“ abzuwenden. Als Sproß einer liebenswert anarchischen, konsequent antikirchlichen linksliberalen Atheistenfamilie wurde mir zum Glück neben einem nicht haltbaren Weltbild auch ein gutes Maß an selbstständigem Denken vermittelt ;). War für mich also auch ein längerer Weg zu diesem Artikel. Gruß und gesegnete Karwoche!

  3. Liebe MaryOfMagdala,

    ich lese seit zwei Tagen deine Blogs und bin begeistert von deiner Scharfsinnigkeit und deinem Wissen, mit denen du hier zur größeren Ehre Gottes und uns allen als Wegzehrung kostenlos zu ein köstliches Mahl bereitest.
    Hättest du evtl. Literaturempfehlungen zur „Trennung der Bereiche Haus und Arbeit im 19. Jhdt.“ oder allgemein zur Familie und Rolle der Frau in der Geschichte?
    Es würde mich auch allgemein sehr freuen, zu erfahren, was für Literatur du jedem unbedingt empfehlen würdest 😉

    Alles Gute!

    • Vielen Dank für die Blumen! *Rotwerd*

      Ehrlich gesagt habe ich ad hoc keine Literaturempfehlung parat, ich hab mich im Studium mit Gender etc. beschäftigt, das ist aber schon ein bisschen her ;). Und da ich in einem grundsätzlich eher unwissenschaftlichen Studiengang studiert habe, waren das meistens nur Auszüge aus irgendetwas. Ich schau aber nach und schreib dir dann!!! Alles Gute zurück!

  4. Ich habe nun bereits einige deiner Artikel gelesen und vor allem der vorliegende gefällt mir sehr gut!
    Wann kommen denn die ganzen Artikel, die du Tina versprochen hast? Ich bin schon ganz gespannt!

    Mir geht es nämlich genauso, wie Tina, vor allen eines belastet mich: Das ausschließlich männliche Gottesbild. Mir fällt es dadurch sehr schwer, eine Beziehung zu Gott aufzubauen, da mir einfach das Weiblich-mütterliche Element fehlt und mir es auch total widerstrebt, einen Mann anzubeten, während die höchste Frauengestalt gerade einmal seine Magd sein darf. Von daher ist Maria für mich auch keine echte Befriedigung, bezogen auf das Göttlich Weiblich-mütterliche, sie ist ja auch nur ein Mensch. Warum darf uns Gott nicht Vater und Mutter sein?

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