Bell, book and candle

Eine Glocke ertönt. Ein Buch wird zugeschlagen. Mönche mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen drehen zeitgleich ihre großen, brennenden Kerzen um und löschen sie, indem sie sie auf den Boden schlagen.

Exkommuniziert. Von Thomas Becket, dem Erzbischof von Canterbury, der selbst aus dem französischen Exil heraus jeden aus der Kirche ausschließt, der gegen sie agitiert – übrigens, wenn man dem Film mit Richard Burton glauben und sich eine derart freche Bemerkung erlauben darf, einer der sexiest Saints alive!

Die Exkommunikation ist die pädagogische Extremmaßnahme, wenn Mutter Kirche sonst nichts mehr einfällt. Geduldiges Zureden und eloquente Argumentation waren vergeblich, und dem Ungehorsamen muss der Ernst seiner Lage bzw. der Lage seines Seelenheils vor Augen geführt werden.

Die anglikanische Kirche hat soeben in höchster Not beschlossen, auf dieses irgendwie archaisch anmutende Mittel zurückzugreifen. Schade, dass es wahrscheinlich nicht mit dem zugehörigen Zeremoniell geschehen ist: So eine Mischung aus Name der Rose, Star Wars und Herr der Ringe, das hat was. Die Kirche wusste in vorkonziliaren Zeiten eben noch um die Bedeutung einer ordentlichen Dramaturgie…

Das Ergebnis der Synode ist eine Absage an den Relativismus und ein Bekenntnis zur Wahrheit, um die man zu ringen hat und die man nicht billigen Kompromissen opfern darf. Es ist auch ein Bekenntnis dazu, dass Glaube keine Privatangelegenheit ist, die keine Konsequenzen für die Gestaltung der Gesellschaft und für das öffentliche Leben hätte. Es ist ein Bekenntnis dazu, dass unser Glaube eine Kraft ist, die das ganze Leben durchdringt und praktische Auswirkungen hat.

Insofern ist zu hoffen, dass es als Appell wahrgenommen wird, den Kuschelkurs mit der säkularen Gesellschaft aufzugeben, und sich zurück zu kämpfen zu einem authentischen Christentum.

Die verfolgten Christen in aller Welt legen täglich mit ihrem Blut Zeugnis für die Wahrheit und für Christus ab. Es ist eine Pflicht, unseren Geschwistern gegenüber, dass wir ihnen mit unserem Zeugnis in nichts nachstehen, wenn es uns auch nicht unseren Kopf kostet, sondern nur ein paar Facebookfreundschaften und Nerven.

Die Wahrscheinlichkeit, dass auf diese starke Proklamation ein Bußgang nach Canterbury erfolgen wird, ist gering. Die Arroganz des modernen Mainstream ist ja ziemlich groß und stabil, zumal man sich auf dem moralisch hohen Roß wähnt, Vorkämpfer gegen eine bornierte  Orthodoxie zu sein. Unnachahmlich erläutert das natürlich Father Longenecker in seinem Blog auf Patheos.

Hierzulande aber sollten sich gewisse Kreise in der Kirche bewusst werden, dass ihr leichtfertiges Herumbohren am Schiff Petri am Ende nicht zum Sinken des Schiffes führen wird, sondern dazu, dass sie über Bord geworfen werden.

Die Zeichen der Zeit erkennen, das sollen wir als Christen. Die Anglikaner haben ein Zeichen gesetzt. Wer jetzt nach zeitgeistlichen Modernisierungen schreit, setzt sich nicht mehr nur in Richtung Orthodoxe Christenheit von der Ökumene ab, er zieht auch auf der protestantischen Seite eine immer kleiner werdende Größe der Mehrheit der Christen und ihrem mehrheitlichen Zeugnis vor.

P.S.: Der hl. Thomas Becket ist übrigens ein vortrefflicher Fürsprecher um um eine unabhängige, mutig die Wahrheit Christi und ihre Rechte verteidigende Kirche zu bitten. Heiliger Thomas Becket- bitte für uns!

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