Lieber Atheist von nebenan…#2

atheistmeme1
Gibt es nur Dinge, die zu etwas gut sind?

Gott könnte es. Er könnte jede böse Tat verhindern. Ja, auch die Vergewaltigung des kleinen Jungen, die du in deinem Meme bei ihm anklagst. Wieso tut Gott nichts? Deine Logik (ich schreibe „deine“, denn es ist ein … sagen wir mal… sehr individueller Zugang zur Definition des Wortes Logik, wenn man diesen Gedankengang als logisch bezeichnen möchte): Gott ist entweder zu schwach, um Verbrechen zu verhindern, oder es interessiert ihn nicht. Beides nimmst du als Ausgangspunkt, um auszudrücken, dass Glaube an Gott schwachsinnig sei. Denn beides willst oder brauchst du nicht. Dahinter steckt ein Gottesbild, das davon ausgeht, Gott habe 1. so zu sein, wie ich das will und/oder 2. so zu sein, wie es nützlich oder gut ist und an diesen Parametern hinge die Existenzfähigkeit. D.h. von dem Nutzen für dich hängt ab, ob etwas existiert. Nun ja, ich will kein Steuerstrafrecht und ich brauche kein Kleid von Dolce & Gabbana, trotzdem existiert beides. Aber wenn du seine Existenz nur entschieden genug ablehnst, wird es sich vielleicht Ent-existieren.

Dieser Gedankengang ist also ein relativistischer Kurzschluss, der in bestimmten Philosophien wunderbar funktioniert, aber nicht in der Realität.

Gehen wir mal von b) aus. Gott hat kein Interesse daran, Schlechtes zu verhüten. Gut. Dann ist Gott eben so, wie die alten Azteken glaubten, oder die Inder, die Kali verehren. Dann ist Gott wie ein Baal. Er hat einfach kein Problem mit Verbrechen und wir haben Pech. Was ändert die hypothetische Boshaftigkeit Gottes an seiner Existenz? Weißt du, Massenmörder sind echt gemein. Es interessiert sie nicht, Verbrechen zu verhindern. Ist es deshalb schwachsinnig, an die Existenz von Massenmördern zu glauben, weil sie schlecht sind? Ich glaube nicht. Ich glaube, es ist höchst sinnvoll, an die Existenz von Massenmördern zu glauben, denn wenn jemand mit blutverschmiertem Gesicht, Kreissäge und einem Umhang aus Leichenteilen vor mir steht, dann versichert mir dieser Glaube, dass ich jetzt besser rennen sollte.

Aber das sind keine sehr erbaulichen Gedanken. Gehen wir lieber einmal von a) aus. Gott kann es einfach nicht. Auch doof. Gott ist ein schwacher Knilch. Zugegeben: Wenn Du dir gedacht hattest, die Definition von Gott sei „Superman und persönlicher Psychocoach, nur unsichtbar“, dann ist es sehr ungünstig, wenn diese Vorstellung gar nicht zutrifft und Gott einfach nichts kann, sondern ein bärtiger Greis auf einer Wolke ist, der ab und zu mal einen milden Blick nach unten riskiert. Allerdings verstehe ich eines nicht: Wieso sollte der Gottesglaube davon abhängen, ob Gott stark oder schwach ist? Und wieso sollte seine Existenz davon abhängen? Das erschließt sich mir nicht, aber es ist ja auch deine Logik, also eine individuell auf dich persönlich zugeschnittene Folgerichtigkeit, die niemand anders nachvollziehen kann. Ich jedenfalls nicht.

Nun aber mal ein gewagtes Gedankenexperiment: Gott ist ganz und gar gut und ganz und gar allmächtig. Was würde das bedeuten? Ein guter Gott würde den Menschen lieben. Denn Liebe ist die höchste Form von gut sein, die wir uns vorstellen können. Wie verhält sich jemand, der einen anderen liebt? Um diesen Artikel auch dem Yogitee-Mantraleser zugänglich zu machen: „Lieben heißt, loslassen. Wenn es zu dir zurückkommt, gehört es dir.“ Es gehört also zum guten Wesen Gottes, dass er seine Allmacht nicht beweist, in dem er dich zwingt, dass zu tun, was du tun solltest. Du willst ein Kreissägenmassenmörder werden? Gott weint. Du willst andere um ihr Hab und Gut betrügen? Gott bittet dich, es nicht zu tun. Und vielleicht schickt er auch jemanden, der versucht, dir seinen Willen zu erklären. Oder er sorgt dafür, dass etwas Übernatürliches passiert, was dich aufrüttelt. Aber niemals wird er dich oder irgendeinen anderen Menschen dazu zwingen, den eigenen Willen abzugeben. Er lässt dir freie Wahl. Er ist Gott. Er kann es sich leisten. Seine Allmacht hängt nicht davon ab, ob du ihn anbetest oder nicht. Ob du ihm Ehre erweist oder ihm ins Gesicht spuckst. Und auch der, der ein Kind missbraucht, hat von Gott den freien Willen zur Entscheidung bekommen. Und nicht nur das! Er hat Gnaden bekommen und Tugenden, die ihm helfen sollen, richtig zu entscheiden. Gott zwingt ihn ebenso wenig wie dich. Aber er hofft darauf, dass er sich für die Liebe entscheidet, und nicht für das Verbrechen. By the way: Wer Böses tut, wendet sich damit von Gott ab. Das ist keine Strafe, sondern eine Konsequenz. Und so, wie die Konsequenz von Licht ausschalten Dunkelheit im Zimmer ist (außer bei Chuck Norris), ist die Konsequenz, sich von Gott abzuwenden, indem man ein solches Verbechen begeht, Gottferne. Wenn du dich von mir abwendest, ist es ja auch keine Strafe meinerseits, dass du mich nicht mehr siehst.

Atheistmeme2
Die gute Tracie übersieht, dass sie nicht allmächtig ist. Selbst die Anwendung ALLER ihr zur Verfügung stehenden Mittel würden sie nicht zu einem den Willen des Menschen verkrüppelnden Despoten machen.

Aha. Sagst du. Gott hat den Menschen also so gemacht. Gott ist also schuld daran, dass wir soviel Böses tun. Nein. Du bist schuld daran. Ich bin schuld daran. Gott hat uns gemacht, damit wir sein Gutsein mit ihm teilen. Aber er wusste: Wenn er willenlose Roboter erschafft, die zum Bösen nicht einmal fähig sind, würde er mit uns nicht halb so viel Freude haben können. Das ist der Unterschied zwischen einem Mann, der mit seinem Freund durch dick und dünn geht und dem gütigen Sklavenhalter, der mit seinem Sklaven durch dick und dünn geht. Es ist egal, wie nett der Sklavenhalter ist. Der Sklave bleibt unfrei. Und es kann für einen wirklich guten Menschen keine Option sein, sich einen Freund vorzugaukeln, der gar nicht frei ist, sich dafür zu entscheiden, ob er Freund sein will oder nicht. Weil Liebe und Freiheit zusammengehören und Liebe ohne Freiheit keine echte Liebe ist, ist jeder von uns berufen, gut zu sein und zu lieben. Gott weigert sich, seine Allmacht einzusetzen um uns vom Bösen abzuhalten, weil er nicht von Marionetten angebetet, sondern von Freunden geliebt werden will. Romantischer Typ, dieser Gott.

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