Gottesdienst des Grauens

Heute war ich im Familiengottesdienst.

Damit könnte der Artikel eigentlich auch schon beendet sein. Jeder kann sich denken, was jetzt kommt. Der ewige Sermon über liturgische Missbräuche unter der Überschrift „Lasst uns volksnah sein“. Ich mag das ja gar nicht. Ich bin und bleibe davon überzeugt, dass die, die so etwas tun, aus besten und ehrenhaftesten Motiven handeln. Was es nicht besser macht. Sondern erschreckender. Erschreckender, weil offenbar das Durchschnittsgewissen derart benebelt und – für mich als Nichtgeistlicher noch schlimmer – der Durchschnittsintellekt so unambitioniert und träge und zufrieden ist, dass es möglich ist, dass Menschen aus besten und ehrenhaftesten Gründen so etwas fabrizieren.

Ich hänge mich jetzt mal nicht an der schmalspurigen Musik auf. Geschmäcker sind verschieden. Der allgemeine Mangel an musikalischem Empfinden in unserer Gesellschaft ist zu beklagen, aber natürlich haben manche vielleicht aus eigenen Jugentagen noch emotionale Bindungen zu musikalisch fragwürdigem Geklimper und schließlich ist der Text „Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf“ von solch subtiler Vieldeutigkeit, so sublim, so rhethorisch gewitzt, so elegant, was soll ich da herumquengeln? Abgesehen davon: Die Leute singen Kanon! Das kann einen nur freuen, wenn Menschen auf diese Art im Gottesdienst ein wenig das Musizieren erlernen.

Und ich muss fairerweise auch Selbstkritik anbringen: Ich kam nämlich zu spät. Da ich wusste, dass ich, um die Sonntagspflicht erfüllen zu können, in diese Kirche zu jenem Pfarrer würde gehen müssen, und da meine christliche Liebe noch sehr unvollkommen ist, trödelte ich vor mich hin und sprach das Kyrie unterwegs – vermutend, dass es wahrscheinlich eh nicht so wirklich in der Liturgie vorkommen würde, und wenn, dann als Schuldbekenntnis. Kaum aber betrat ich die Kirche, wurde mir bewusst, dass ich sofort bestraft worden war: Es war nicht nur jene Gemeinde mit diesem Pfarrer, es war ein Familiengottesdienst. Das besiegelt meine Verdammung, wenn mir nicht alle Heiligen und Engel zur Hilfe eilen: Denn natürlich reut es mich, fahrlässig, vielleicht sogar absichtlich, zu spät zur Heiligen Messe gekommen zu sein. Aber wie um Gottes Willen soll ich echte Reue verspüren bei dem Gedanken daran, dass ich wenigstens die langatmige Begrüßung durch den Pfarrer und die ausufernden Erläuterungen der Gemeindereferen*Innen sowie ein banales und inhaltlich höchstwahrscheinlich unpassendes Kyrielied verpasst habe?

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass dieser Familiengottesdienst, anders als andere, die ich erleben musste, tatsächlich über weite Strecken einer Messfeier entsprach- Es wurde nicht einmal das Evangelium durch ein Bibliodrama der Drei- bis Fünfjährigen ersetzt. Halleluja! (Ja, auch das gab es! Keine Selbstverständlichkeit!).

Aber der Reihe nach. Ich erwische noch ein ordentliches Tagesgebet, an dessen Schluss natürlich nicht darauf hingewiesen wird, dass die Dreifaltigkeit lebt und herrscht, herrschen ist unzeitgemäß und klingt irgendwie auch abweisend. Also, der „lebt und uns liebt“. Denn wir Armen werden ja durch Schuldkomplexe, Beichtzwang und allerlei klerikale Foltermethoden derart psychotisch, dass man uns das einfach öfter sagen muss, dass Jesus uns liebt. Kommt in der Botschaft der Kirche ja sonst fast nicht vor!

Jugendmitarbeiter*In 1 (ein Mann) tritt an den Ambo und verkündet salbungsvoll: „Lesung aus dem Buch der Könige“ und schweigt effektvoll. Er fährt fort: „Das wäre die Lesung des heutigen Sonntags“. Respekt. Netter Move – so an den Ambo treten, als wäre Dienst nach Vorschrift und dann so megacool windschnittig ein Handmikro zücken, das zuvor niemand gesehen hat, und *Bäm* nach vorne gehen und die Erläuterung beginnen. Ich bin ehrlich beeindruckt über so viel Entertainment und Action.

Es folgt eine Inhaltsangabe der Lesung (währenddessen hätte man sie auch einfach lesen können) nach dem Muster „Was eigentlich heute gelesen worden wäre“. Ich versuche fair zu bleiben und lausche den Worten sogar (naja, ich hatte meinen Rosenkranz auch zu Hause liegen lassen und an den Fingern bei gleichzeitiger Beschallung ist schwierig mit der Konzentration). Er sagt gute Sachen. Würde ich mir gerne anhören. „IrgenwoANDERS. IrgendwieANDERS. IrgendwannANDERS.“ summt es in meinem zurückgeblieben-reaktionären Hirn, das einfach nicht davon zu überzeugen ist, dass Inhalte für eine Gemeindekatechese oder einen Glaubensabend nicht doch in die Messe gehören.

Ganz didaktisch wird uns nicht einfach eine Gottesdienststruktur oktroyiert, sondern wir werden mit hineingenommen in die Evolution des genialen Konzepts. „Als wir diesen Gottesdienst im Team (!) vorbereitet haben, da meinte Manuela (who the * is …), die Geschichte erinnere sie ungemein an eines von Grimms Märchen.“ Es folgt eine zumindest fragwürdige Erläuterung der Entstehung dieses Märchens. Da die Leute früher nicht so viele Bücher hatten, und das einzige, das sie dann vielleicht mal aufschlagen konnten, die Bibel war (wie, ich dachte, es war Katholiken bei Vierteilung und Scheiterhaufen verboten, die Bibel zu lesen oder sich zu bilden…darum gab es doch dann Luther, oder? Um die künstliche Dummhaltung des gemeinen Volkes durch die noch gemeinere Kirche zu beenden?! Mein Geschichtskonzept und mein Weltbild werden völlig auf den Kopf gestellt.), haben sie womöglich die Geschichte der Lesung zum Anlass genommen, ein Märchen zu kreieren. Das vom Sterntaler. Und da es so gut passt zu dem, was wir heute in der Lesung gehört hätten, wird heute Sterntaler gelesen. Aber halt! Unsere pädagogischen Konzepte erlauben nicht ein schnödes Ablesen des Märchens. Hier hätte ich jetzt (berechtigterweise) erwarten können, dass die Kinder einen kleinen Sketch vorbereitet hätten – oder zumindest ein kleines experimentelles Theaterstück… oder wenigstens ein kleines Minimusical mit vollem Orchester. Aber nein. Wir sind im postintegrativen Zeitalter. Man macht das nicht für die Kinder. Man macht das für die eigene Entfaltung und Selbstverwirklichung. Daher lesen nun unsere beiden Jugendarbeiter das Märchen vor. Nicht vom Ambo, sondern als Weg. Hinten beginnend, und sich Stück für Stück vortastend. Weit entfernt vom Altar beginnend und hinführend zum Zentrum. Genial.

Während der Lesung sind alle so konzentriert, wie ich sie noch nie bei einer Lesung erlebt habe. Ich beginne nun trotz der erschwerten Bedingungen mit dem Rosenkranz.

Wie bereits erwähnt bekomme ich als Trost ein Halleluja und ein Evangelium geschenkt. Ich bin fast glücklich. Nun kommt die Predigt. Aber, da der Gemeindereferent mit Handmikro vor dem Altarraum und nicht am Ambo steht, als er zugegeben schöne Gedanken dazu äußert, ist es ja gar keine Predigt, sondern eine Ansprache. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ich seufze auf. Das Credo ist erreicht und wird sogar gesprochen, die Talsohle ist durchschritten, es kann nun steil aufwärts gehen hin zur unblutigen Erneuerung des Kreuzesopfers, es kann nicht mehr viel schief gehen. Ich versinke in Andacht. Äh, ich wäre gerne in Andacht versunken. Es scheitert angesichts der zahlreichen Eindrücke, die mir bisher innere Einkehr nicht gerade leicht gemacht haben.

Nach der Wandlung das unvermeidliche Gerenne zum Altar, um den herum die Kinder stehen müssen, um das Vaterunser zu beten. Das gehört zu den allgemein üblichen Ärgernissen, die ich nicht weiter beachte. Beim Friedensgruß bemerke ich, dass ich mich instinktiv bei den Mitmach-Hassern eingeordnet hatte, denn ich stehe direkt neben den beiden Damen, die in der Gemeinde dafür bekannt sind, dass sie, wenn man ihnen den Friedensgruß anbietet, angewidert wegschauen oder sich demonstrativ abwenden. Das mag ich nun auch wieder nicht. Endcool finde ich allerdings ihre Eigenart, sich stets auf ihre angestammten Plätze auf der linken Seite zu setzen, obwohl auf dieser Seite immer die Kommunionhelfer*In steht. Sie gehen dann einmal komplett um alle Bankreihen herum, um vom Priester die Kommunion zu empfangen. Ich finde diesen öffentlichen Protestgang adversus Kommunionhelferes bemerkenswert.

Nun spannt sich alles an, der Bauch krampft, Blut schießt in den Kopf, die Schreckensnachricht naht: Der Priester erhebt die Hostie und spricht: „Seht Jesus Christus, er ist für uns Brot und Wein geworden, um uns Stärkung und Kraft zu sein auf unserem Lebensweg“.

Ich bin ja noch nicht so lange katholisch. Am Anfang dachte ich, dass der Priester an dieser Stelle der Messe die Hostie begutachtet und dann der Gemeinde feierlich verkündet, ob die Wandlung geklappt hat, oder nicht. Wenn er sagt „Seht, das Lamm Gottes, es nimmt hinweg die Sünde der Welt“, dann weiß man: Deo gratias, es hat geklappt, wir sind nicht würdig, aber dürfen doch Christus empfangen. Sagt er „Seht Brot und Wein, Jesus Christus, der hinweg nimmt die Sünden der Welt“, dann weiß die Gemeinde: Schade, vielleicht nächstes Mal wieder. Sagt er „Er ist uns Brot und Wein geworden“, dann hat sich der Priester ver-äh-wandelt und hat versehentlich nicht Brot und Wein in Christi Leib und Blut gewandelt, sondern andersherum. Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, dass diese vulgärkatholische Annahme meinerseits falsch ist.

Als hätte ich nicht genug Fegefeuertage mit diesem Gottesdienstbesuch abgegolten, kommt am Schluss der Hammer. Wenn ein Priester auf das Privileg, die Predigt zu halten, verzichtet, wieso dann ein Sermon am Schluss? Das sollte man verbieten.

Zuerst aber etwas priesterlicher Gehorsam. Ein bischöfliches Schreiben drückt Schmerz, Trauer und Entsetzen aus (und alles, was man sonst noch so an Betroffenheit äußern kann) angesichts des Missbrauchsvorwurfs gegen Bischof Janssen. Interessant daran finde ich mehrere Punkte: Es wird nicht ausreichend darauf hingewiesen, dass bei aller Plausibilität wir schlicht nicht wissen können, was passiert ist. Wir möchten niemandem vorwerfen, so etwas zu fingieren, aber wir wissen, dass es schon vorgekommen ist, so dass die Unschuldsvermutung wohl dennoch gelten muss, so schwer es uns fällt angesichts eines solchen Verbrechens. Es wird nicht zum Gebet für den Bischof aufgerufen (wieso auch, er ist ja tot…). Es wird aber ganz viel gesagt, wie erschüttert wir doch alle sind. Und es wird gesagt, dass der Betroffene sich strikte Vertraulichkeit erbeten habe (?), was der Bischof dann aber angesichts einer konkreten Presseanfrage anders gehandhabt hätte. Aha. Na gut. Da mache sich einer einen Reim drauf, der es kann. Es folgt ein Betroffenheitsstatement des Pfarrers, das völlig tief empfunden und ehrlich ist. Nur: Warum fünf Minuten lang immer dasselbe sagen (unvorstellbar…betroffen…kaum vorstellbar…so betroffen…entsetzt…selbst gekannt…hoch geschätzt…betroffen). Als Priester, der Beichte abnimmt, sollten einem doch die menschlichen Abgründe bekannt sein. Was sicher nicht Betroffenheit verringert, aber doch vielleicht die weit aufgerissenen Augen und die überm Kopf zusammengeschlagenen Hände. Die Sorge, dass dieser Skandal „auf uns alle abfärbt“ – äh, genau. Das ist natürlich schrecklich. Denn wir sind ja alle heilig und man soll nicht denken, wir wollten mit Sündern etwas zu tun haben. Und dann kommt’s: Wir können uns trösten in der Gewissheit, dass jeder Mensch für seine Taten irgendwie verantwortlich sei. „Auch vor Gott“. Auch? Und wieso kommt die Sprache auf’s Gericht nur jetzt? Nur, wenn es um das Gericht eines anderen geht? Dessen Schuld man nicht ermessen kann, sowieso und allgemein nicht, viel weniger aber fast 30 Jahre nach seinem Tod! Im Nachhinein: Gut, dass sich der Priester doch noch zum Sprechen genötigt gefühlt hat, so konnte ich doch noch mit Input und gedankenvoll nach Hause gehen.

Natürlich spendet der Priester nicht den Segen, „wir wollen (den Segen) nun erbitten“.

Ich schenke mir das Schlusslied (alles hat eine Grenze), verlasse die Kirche und muss erst einmal tief aufseufzen. Eigentlich habe ich gar keine zynischen, fiesen oder aggressiven Gedanken mehr. Ich bin bloß ziemlich traurig, dass Menschen sich wirklich mit so etwas zufrieden geben.

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6 Kommentare

    • Danke 🙂 Dann viel Spaß beim Stöbern. Ich empfehle z.B. die literarisch aufbereitete Beschreibung, wie eine Auseinandersetzung mit Muslimen abläuft, wenn man als Frau mit Argumenten aufwartet ;). Oder die Antiquelle …Grüße!

  1. Warum tun Sie sich das dann überhaupt an, wenn Ihnen die Liturgie nicht passt? Ich kenne sehr viele ähnliche Fälle und entscheide mich dann bewusst für andere Messfeiern in benachbarten Städten.

    Zum Thema, dass sich die Messfeiern so an die Moderne anpassen, um alle offensichtlichen und unterschwelligen Anschuldigen diesbezüglich in einen Satz zu packen, habe ich eine Frage an Sie:

    Täusche ich mich oder sind die von Ihnen aufgeführten Sternchen wie „Kommunionhelfer*In“ eine von der „modernen Gesellschaft“!! eingeführte Schreibweisen zm eine Diskriminierung Transsexueller zu vermeiden.
    Gerade Sie sollten dann ja auch wissen was der Papst und folglich die dazugehörige Kirche davon hält!

    • Lieber Johannes, eigentlich geht aus dem Text hervor, dass ich mangels Alternative dorthin musste. Sonntagspflicht erlischt eben leider nicht mit schlechter Liturgie ;). Was das Gendersternchen betrifft: In meinen Breitengraden nennt man das „Ironie“. Man lacht über die absurden Ideen der Genderleute…Gruß

  2. Sehr geehrte Autorin des Artikels „Gottesdienst des Grauens“
    mit großem Interesse habe ich nach der doch sehr „provokanten“ Schlagzeile Ihren Bericht über die erlebte sonntägliche Eucharistiefeier gelesen.
    Nun lag es mir jedoch auf dem Herzen mich doch zum einen oder anderen Punkt zu äußern. Einige Aspekte, die Sie nennen, kann ich durchaus verstehen und vielleicht sogar teilen. Bei anderen hingegen habe ich ein wenig „Bauchschmerzen“.
    Musik – Sie haben Recht, das ist „Geschmackssache“,… Wem’s gefällt. Ich bin auch kein Fan des 70er Jahre Schlagers, den man in dem einen oder anderen Gottesdienst antrifft.
    Kyrie – Was meinen Sie genauer mit diesem Satz: „…vermutend, dass es wahrscheinlich eh nicht so wirklich in der Liturgie vorkommen würde, und wenn, dann als Schuldbekenntnis…“ Richtig, das Kyrie ist in der Liturgie vorgesehen, aber genauso wie das Schuldbekenntnis. Letzteres hingegen kann durch andere Formen (vgl. Bußakt) ersetzt werden. Diese wären z.B. Segnung des Wassers und Besprängung der Gläubigen (Taufgedächtnis). Nach diesem folgt das Kyrie. Falls jedoch der Bußakt das Kyrie enthält, wie z.B. „Kyrie-Rufe“, so wird auf einen weiteren Kyriegesang verzichtet. Hierzu empfehle ich die Lektüre der GORM (Grundordnung des Römischen Messbuchs, S. 40-41, http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/arbeitshilfen/AH_215.pdf). Eine Verbindung aus Kyire-Rufen und Kyriegesang als Bußakt ist vielleicht nicht die „schönste“ Form, aber sie entspricht den von der Kirche gegebenen Möglichkeiten.
    Tagesgebet – Ich verstehe den Einwand bzgl. der Schlussformel. Diese entspricht nicht denjenigen, die in der GORM genannt sind. Jedoch möchte ich auch darauf verweisen, dass auf S. 42 gesagt wird, dass das Tagesgebet „in der Regel“ mit diesen Formeln abgeschlossen wird. Diese Formulierung „in der Regel“ lässt hier Spielraum. Ob das gut und sinnvoll ist, sei an dieser Stelle offengestellt.
    Zur Anspreche des pastoralen Mitarbeiters nach der Lesung – Über Inhalt und Form lässt sich, so denke ich, wie über die musikalische Gestaltung streiten. Wagen wir an dieser Stelle einen Blick in den CIC (Codex Iuris Canonici, das Kirchenrecht der Katholischen Kirche, http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.html):
    Can. 768 — § 1. Die Verkündiger des Wortes Gottes haben den Gläubigen vor allem darzulegen, was zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen zu glauben und zu tun nötig ist.
    § 2. Sie haben den Gläubigen auch die Lehre aufzuzeigen, die das Lehramt der Kirche vorträgt über die Würde und die Freiheit der menschlichen Person, über die Einheit und Festigkeit der Familie und deren Aufgaben, über die Pflichten, die den Menschen in der Gesellschaft aufgegeben sind, wie auch über die nach der gottgegebenen Ordnung zu regelnden weltlichen Angelegenheiten.
    In diesem Canon geht es um den Inhalt der Verkündigung des Wortes. Sie schreiben, „…dass Inhalte für eine Gemeindekatechese oder einen Glaubensabend nicht doch in die Messe gehören.“ Im Blick auf den zitierten Canon sehe ich hier keinen Widerspruch mit dem Kirchenrecht und dem Inhalt der Predigt (katechetische Themen) in der vorgestellten Heiligen Messe. Inwieweit das alles sinnvoll ist, was man in der Praxis erlebt, sei auch dahingestellt.
    Ambo und Predigt – Hierzu ebenso noch einige Gedanken. Mit welcher Begründung „muss“ eine Predigt am Ambo gehalten werden? Aus welchem Grund war nun die „Ansprache“ des Mitarbeiters keine Predigt?
    Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass die Predigt kein Privileg des Priesters ist, wie sie schreiben. Schauen wir ein weiteres Mal in den CIC:
    Can. 766 — Zur Predigt in einer Kirche oder einer Kapelle können, nach Maßgabe der Vorschriften der Bischofskonferenz und vorbehaltlich von can. 767, § 1, Laien zugelassen werden, wenn das unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist.
    Dieser Canon besagt deutlich, dass ein LAIE, also in diesem Fall der pastorale Mitarbeiter, in einer Kirche predigen darf. Natürlich lässt sich über die „bestimmten Umstände“ diskutieren und streiten.
    Dies geht zurück auf die drei Munera, die alle Getauften haben:
    Can. 204 — § 1. Gläubige sind jene, die durch die Taufe Christus eingegliedert, zum Volke Gottes gemacht und dadurch auf ihre Weise des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi teilhaft geworden sind, sie sind gemäß ihrer je eigenen Stellung zur Ausübung der Sendung berufen, die Gott der Kirche zur Erfüllung in der Welt anvertraut hat.
    Dieses prophetische Amt Christi (munus doecendi), welches allen Christen durch die Taufe teilhaft geworden ist, ist der Auftrag zur Verkündigung des Wortes Gottes, zur Weitergabe der Frohen Botschaft Jesu Christi. Diese „Pflicht“ haben letztendlich alle Getauften, je nach ihrem Stand.
    Wie Sie richtigerweise sagen, der Gläubige erwartet an der sonntäglichen Eucharistiefeier eine „Predigt“ des Priesters bzw. des Diakons. Dies ist aber genauer genommen keine Predigt. Es handelt sich hierbei um die HOMILIE, eine besondere Art von Predigt. Blicken wir dazu ebenso in den CIC:
    Can. 767* — § 1. Unter den Formen der Predigt ragt die Homilie hervor, die Teil der Liturgie selbst ist und dem Priester oder dem Diakon vorbehalten wird; in ihr sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen.
    § 2. An Sonntagen und gebotenen Feiertagen ist in allen Messen, die unter Beteiligung des Volkes gefeiert werden, eine Homilie zu halten; sie darf nur aus schwerwiegendem Grund ausfallen.
    Somit haben Sie Recht. Der Priester hätte in unserem Fall eine „HOMILIE“ halten müssen. Dies schließt aber nicht aus, dass er ebenso den Mitarbeiter bittet nach der Lesung eine Predigt, bzw. Ansprache zu halten. (Ihren eigentlichen Platz hat die Homilie in der Liturgie nach dem Evangelium. Letztendlich könnte man aber die 5minütige Ansprache des Priesters am Ende der Messe als Homilie durchgehen lassen. Diese fand schließlich in der Liturgie statt und hat im weiteren Sinn mit „Normen des christlichen Lebens“ zu tun gehabt (vgl. can. 767 §1).)
    Sie sagen der Ort der „gültigen, echten, sonntäglichen Predigt“, also der Homilie, ist der Ambo. Das ist nur bedingt richtig. Ja, die Homilie kann dort gehalten werden, es gibt jedoch auch andere Möglichkeiten, wie uns ein Blick in die GORM aufzeigt:
    „136. Der Priester hält die Homilie, wobei er am Sitz, am Ambo selbst oder gegebenenfalls an einem anderen geeigneten Ort steht; ist sie beendet, kann eine kurze Stille gehalten werden.“ (S. 79)
    „309. Vom Ambo aus werden ausschließlich die Lesungen, der Antwortpsalm und der österliche Lobgesang (Exsultet) vorgetragen; es können dort auch die Homilie gehalten und die Anliegen des Allgemeinen Gebetes gesprochen werden.“ (GORM, S. 134) (Es handelt sich also um eine „kann“-Bestimmung.)
    Aufgrund dieser Stelle können wir also nicht sagen, dass der Ort (also vor dem Altarraum) die Predigt zu einer Ansprache macht.
    Der eigentliche Spender der Kummunion ist der Priester bzw. der Diakon. Andere sind in der Regel nicht vorgesehen (http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20040423_redemptionis-sacramentum_ge.html, 88).
    Doch zu ihrer Aussage eine kritische Anmerkung: „Ich finde diesen öffentlichen Protestgang adversus Kommunionhelferes bemerkenswert.“ Ich verstehe den Kritikpunkt, wenn es um den Spender geht. Doch ist die Heilige Messe der richtige Ort um einen Protestgang aufzuführen bzw. diesen gutzuheißen? Ich denke nein. Wir wissen ja, dass jeder Gläubige nur in der rechten Disposition (http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20040423_redemptionis-sacramentum_ge.html, 80-87) kommunizieren sollte. Wenn nun also vor dem Empfang des Heiligsten Sakramentes eine innere Haltung des Protestes bzw. eine „Erquickung“ an diesem vorliegt, so bezweifle ich, ob dann noch diese rechte Disposition vorliegt.
    Die doch etwas polemische Ausführung zur Wortwahl des Priesters bei der Brotbrechung (Lamm Gottes + Herr, ich bin nicht würdig) kommentiere ich an diese Stelle nicht. Sicherlich, die im Messbuch vorhergesehene wäre vielleicht besser gewesen. (vgl. GORM, S.57,S.58,S.86)

    In diesem Sinne,
    Gottes reichen Segen

    • Lieber Angelus Silesius,
      erst einmal danke für die Geduld und für’s erneute Bereitstellen der Kritik!

      Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass mein Artikel bewusst markant formuliert ist (allerdings stellt er die tatsächlichen Abläufe nicht überzogen, sondern korrekt dar).
      Ich verstehe ihre Kritik nicht so ganz. Sie schreiben sehr viel darüber, was vom Kirchenrecht oder von der Grundordnung des Messbuches her gedeckt sei. Das ist für mich aber insofern zweitrangig, als das wir ja keine Gesetzesreligion sind. Wir müssen also auch, wenn Gesetze Freiheit erlauben, diese Freiheit sinnvoll einsetzen. D.h.: Wenn das Kirchenrecht etwas prinzipiell erlaubt, heißt es noch nicht, dass man es tun soll. Wenn das Kirchenrecht selbst bereits einschränkende Formulierungen dazu gebraucht, muss man sogar davon ausgehen, dass es diese Freiheit nicht für den Hausgebrauch bieten möchte, sondern für tatsächliche Notsituationen etc., um dann den Gläubigen nicht in Gewissensnot zu bringen. Und das bedeutet auch, dass man, wo man der Ansicht ist, dass das Kirchenrecht auf unsinnige und nicht zielführende Weise ausgelegt wird, diesen Umgang kritisieren darf und muss. Das ist kein Privileg von Sedis oder anderen Irrlichtern!

      Ich gehöre zu denen, die meinen, dass das Zusammennehmen von Bußakt und Kyrie die liturgische Aufgabe des Kyrie verfälscht und damit eine Dimension des Gottesdienstes, die bereits uralt ist, wegnimmt. Das finde ich schade und ich denke, dass dies ein objektiv fassbares Argument ist (das Kyrie ist eben kein Bußakt, punkt!), und ich nehme mir das Recht heraus, dies zu kritisieren. In der betreffende Gemeinde fällt es manchmal komplett weg (wie so manches) und das befürchtete ich eben. Ihr Hinweis auf „In der Regel“ verläuft nach dem gleichen Muster. In der Regel bedeutet, es muss schon einen sehr guten Grund geben, das zu ändern. Wenn ich nun davon ausgehen könnte, der Pfarrer sei so intelligent und glaubenstreu wie Thomas von Aquin, hätte ich nichts dagegen, wenn die Formel anders lauten würde. Jemand, der aber so intelligent und glaubenstreu ist, würde die Formel nicht verändern. Dagegen weiß ich, dass betreffender Pfarrer mit Hierarchie und Herrschaft und also mit zentralen Glaubensaussagen ein Problem hat. Daher handelt es sich hier auch nicht um Willkür, sondern um bedachte Manipulation. Sie geben selbst zu, man müsse „offenstellen“, ob dies sinnvoll sei, ich bin da weniger vorsichtig und wage zu behaupten: Es ist nicht sinnvoll und sogar schädlich.

      Zur Predigt: Zunächst führen Sie ein Scheinargument aus und verwenden viel copy&paste für nichts: Denn natürlich ist hier die Homilie gemeint, insofern kann man sich die Überlegungen zur Rechtmäßigkeit von predigenden Laien sparen…das nennt man „Strawman“, meine ich…

      Aber selbst wenn wir uns dem CIC zuwenden:
      „Zur Predigt in einer Kirche oder einer Kapelle können, nach Maßgabe der Vorschriften der Bischofskonferenz und vorbehaltlich von can. 767, § 1, Laien zugelassen werden, wenn das unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist.“
      Kann, wenn, notwendig, nützlich. Not bestand hier keinesfalls. Nützlich ist es nur insofern, als dass es zum gewohnten Repertoire kirchenferner Priester gehört, um das eigene Priestertum so weit wie möglich zurückzustellen. Auch das ist schädlich. Denn wer den Charakter des Priesteramtes den Gläubigen nicht erfahrbar macht, kann nicht erwarten, dass diese die katholische Lehre über dieses Amt annehmen. Wie auch, wenn der Priester es nicht als vornehme Aufgabe betrachtet, zu unterweisen? Das Problem besteht natürlich nicht nur in der Messe. Insgesamt stehen wir in Deutschland vor dem Problem, dass eine Lehre auf dem Blatt besteht, die aber auch erlebt werden will. Wenn Klerus und aufmüpfige Laien gemeinsam dafür sorgen, dass niemand die Lehre „im Fleisch“ schaut und erlebt, kann auch keine Stärkung des Glaubens erfolgen. Zudem soll ja der Ungehorsam dadurch kaschiert werden, dass der Laie nicht vom Ambo aus eben „predigt“, sondern im Kirchenraum. Das ist ein schnödes Für blöd verkaufen! Auch hier: Wäre der Pastoralreferent eine Katharina von Siena, würde ich mir wohl ihre Predigt anhören wollen. Katharina von Siena würde aber nicht predigen wollen, weil sie dies als priesterliche Aufgabe ansehen würde. Der Ruf nach Änderung kommt eben leider von denen, die im Grunde das Glaubensgut aufgeben wollen. Kein normaler Katholik hat etwas dagegen, wenn der Priester predigt und würde diese Aufgabe für sich beanspruchen: weil er sich freut, unterwiesen zu werden und zahlreiche andere Aufgaben (z.B. Katechese NACH dem Gottesdienst) nach seinen Talenten und Gaben auszuführen weiß!
      Die Ansprache am Schluss war die Verlesung des bischöflichen Schreibens plus Kommentar und definitiv nicht als Predigt gemeint, es ist nett von Ihnen, dass Sie das dem Priester als Homilie auslegen, aber er würde es ja nicht einmal selbst so betrachten!
      Was den Protestgang betrifft ;): Ich schrieb bewusst „bemerkenswert“ und meinte das (was man natürlich nicht wissen kann) ohne positive Konnotation. Außerdem habe ich den beiden durch die provokante Wortwahl einen Beweggrund unterstellt, den ich überhaupt nicht vermute. Die beiden Damen machen das immer so, aber ganz selbstverständlich und ohne viel Aufhebens. Ich glaube nicht, dass sie selbst es als Protest auffassen, sie sehen es nur eben einfach nicht ein, zum Kommunionhelfer zu gehen – insbesondere, da hier öfter ein Priester konzelebriert, der sich dann hinsetzt und tatenlos zusieht, damit eine Frau als Kommunionhelferin aushelfen kann. Das ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders und ich beobachte die kleinen, mikrokatholischen Symbolhandlungen, die sich dem Zeitgeist standhaft widersetzen, einfach mit einem gewissen gelassenen Humor, oder Schalk, könnte man auch sagen. Ich gebe Ihnen völlig Recht: WÜRDE man das extra machen um zu provozieren, so wäre das auch meiner Auffassung nach völlig unangemessen. An der Kommunionbank wird keine Kirchenpolitik betrieben. Das gilt aber für Progressisten genauso, die ja mit Vorliebe etwa durch das Streichen derselben und andere Ärgernisse genau diesen sensiblen und heiligen Punkt angreifen.
      Ich bewundere, dass Sie so geduldig angesichts solcher Missbräuche bleiben können. Allerdings habe ich in mehreren Gesprächen (bei denen der Priester nicht wusste, dass er es mit einem Hardliner zu tun hat), vom Priester selbst erfahren, dass das mit der Wandlung und dem Papst und dem Zölibat und dem Sex vor der Ehe ja alles nicht so gemeint sei. Vor diesem Hintergrund wage ich es doch, diese Missbräuche in der Hl Messe in einem anderen Kontext als unschuldiger Unwissenheit zu sehen. Wer unmittelbar nach der Wandlung die Wandlung leugnet, tut das bewusst. Denn es steckt ja ein bewusstes Ändern des Textes dahinter. Dafür habe ich kein Verständnis und erst recht keine sanften Worte.
      Zu guter Letzt möchte ich aber auch noch einmal fragen, warum sie nun angesichts meiner Ausführungen „Bauchschmerzen“ haben. Denn eines steht ja am Anfang: Obwohl ich wusste, dass mich liturgisches und glaubensmäßiges Grauen erwartete, bin ich ja hingegangen. Warum? Weil die hl. Messe über allem steht und die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers nicht dadurch an Wert verlieren kann, was Menschen darum herum verunzieren und verhunzen. Insofern denke ich, dass meine Kritik an liturgischem Missbrauch rechtens und wichtig ist. Denn wenn keiner den Mund aufmacht, denken die glaubenslosen Menschen in der Kirche, sie könnten das so durchziehen und so noch mehr Menschen ihres religiösen Fundaments berauben. Ich verstehe also nicht ganz, wieso Kritik an kritikwürdigen Zuständen (sie selbst formulieren öfter vorsichtig, man könne darüber streiten, sprechen, etc. …) schlecht oder Bauchschmerzen erzeugend sein sollte…
      Übrigens, was betreffende Gemeinde und was Kirchenmusik betrifft, empfehle ich diesen (Gemeinde) und diesen (Musik) Artikel.

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