Goethex kann einpacken. Shakespearex auch.

Das folgende Interview klingt wie Satire. Ist es aber nicht. Obwohl ich beim Lesen lachend vom Stuhl fiel. Für Madame Satire ist dieses Interview nicht ganz so fröhlich ausgegangen, sie hat sich nach der Lektüre nämlich erhängt und selbst gevierteilt. Hier nur ein kurzer, herzergreifender Abschnitt aus ihrem Abschiedsbrief, der mir im Original vorliegt: „Ich werde einfach nicht mehr gebraucht. Niemand findet mich mehr lustig, alle lachen nur noch über die Realität. Ich kann nicht mehr. Die Realität hat sich zwischen uns gedrängt und mir die Luft zum Atmen genommen. Ich kann nicht mehr.“ Ich könnte mich natürlich auch über den Interviewer aufregen (der wahrscheinlich auch nicht wusste, wie er das so ganz ernstnehmen soll). Aber ich überlasse mal Journalismuskritik anderen… Ganz wichtig ist natürlich die Diskreditierung vernünftiger Menschen: Wer diese Sprachvergew…äh, Sprachgewalt ablehnt, tut das natürlich aus ANGST. Einen anderen Grund kann es doch gar nicht geben, die äußerst praktikable und ästhetische -x Endung als das abzulehnen, was sie ist, nämlich neurotischer, dekadenzinduzierter Humbug.

Nun ist es eine Sache, fest an etwas zu glauben und sich dafür einzusetzen. Das ist Anzeichen von Integrität. Aber muss man es wirklich mit allen Mitteln tun (das ist eine rhethorische Frage)? Was ist mit den Kollateralschäden? Z.B. mein Seelenheil. Psalm 1, ein von mir vielbedachter und tief im Herzen verankerter Psalm, sagt deutlich, dass die Spötter das Reich Gottes nicht erlangen werden. Nun soll man ja seinem Mitbruder kein Anstoß und kein Anlass zur Sünde sein. Und wie, bitte, wie, mit welcher himmlischen Gnade kann es mir möglich werden, folgendes Gedicht der werten Frau Professorin Antje alias Lann Hornscheidt zu lesen, OHNE spöttische Gedanken zu unterhalten? Zugegeben: Mit 17 habe ich politische und sozialkritische Gedichte verfasst. Ich habe sie fast alle vernichtet und nur einige der weniger peinlichen Exemplare behalten, als warnendes Beispiel für das, was passiert, wenn man Poesie vergewaltigt und herabwürdigt in den Sumpf aktueller Probleme. Ich habe daraus gelernt, dass nicht jede Form jedem Inhalt ziemt. Und das man schon Brecht heißen muss, um den Spagat hinzubekommen. Naja, und vielleicht ist ja auch das zarte Alter, in dem ich mich zu solchen Schandtaten herabgelassen habe, zumindest schuldmindernd. Frau Hornscheidt zeigt jedenfalls, was schlimmstenfalls geschieht, wenn einem Menschen mit lyrischem Sendungsbewusstsein jede Subtilität fehlt: Man achte auf die kunstvoll sublimierte Aussage und die überbordende sprachliche Schönheit. Ich lade jeden zu einem Schnaps ein, der es schafft, dieses Werk komplett zu lesen.

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