Bonifatius, hilf!

Ich kann nachempfinden, wie sich die ersten Missionare in Germanien gefühlt haben müssen. Allein auf weiter Flur. Nur das Evangelium in der Hand und Seeleneifer im Herzen. Die Feinde: Aberglaube, Heidentum, Synkretismus. Keine Glaubenswüste, da könnte man ja eine kleine Oase suchen und sich etwas aufbauen, nein, sondern ein Unglaubensurwald, in dem man vor lauter agnostischer Eichen, esoterischer Eschen und dickstämmiger Privatreligionen kaum weiß, wo man die Axt als erstes anlegen soll.  Das ist kein Grund zur Klage (außer gegen Medien, die Verdummung in Glaubensfragen ja sehr effektiv fördern), sondern ein Aufruf zu missionarischem Leben:

Traurig dagegen macht mich das Gespräch mit sogenannten bzw. sich selbst so nennenden Katholiken, die nicht selten in einem gewissen stolzen Ton freudig behaupten „Ich bin auch katholisch“, dann aber nicht den geringsten Hauch eines Sentire cum Ecclesia ausstrahlen. Ich erinnere mich an Gespräche, in denen ich mühsam einem Agnostiker einen Sachverhalt die Lehre betreffend erläutere; der neben ihm sitzende „Katholik“ fällt mir in den Rücken und sagt sinngemäß „Ach, ja, aber das nimmt man heute nicht mehr so genau. Das war FRÜHER so.“ Das ist keine Dolchstoßlegende, sondern ein veritabler Schuss in den Rücken. Wenn man so mit seiner Familienangehörigkeit umgehen würde: „Ich bin Hans Müller. Du bist Franz Müller? Mein Cousin zweiten Grades? Cool.“ *Peng* *Franz Müller fällt tot um*.

Besonders nachdenklich gemacht hat mich ein Gespräch mit einem von mir sehr geschätzten Bekannten. Wir unterhielten uns über die Sonntagspflicht. Dieses Kirchengebot ist für mich aus verschiedenen Gründen ungemein wichtig und wird klugerweise von den Liberalissimi konsequent marginalisiert. Es sei ja ein Kirchengebot. Also unwichtig. Schließlich ist das menschengemacht, im Gegensatz zu den 10 Geboten. Mein Einwand hier wäre: Eine vom heiligen Geist geleitete Kirche hat auch Menschengebote, die dem Heil dienen. Ich würde also einfach auf den Gehorsam verweisen. Heute in Deutschland eine völlig unmögliche Kategorie: Gehorsam abseits vom Steuerrecht? Wir sind doch keine Preußen. Gehorsam aus Liebe und Demut? Damit übersteigt man deutsch-heidnische Gedankengänge um ein Vielfaches und erntet maximales Unverständnis. Ich habe es also gar nicht erst versucht und hielt dagegen, dass es ja eine Art „Subgebot“ zum 1. und 3. Gebot sei. Dazu sagte der gewitzte Gesprächspartner, er heilige den Sonntag, indem er die Schöpfung wahrnehme, sich um seine Beziehung zu seiner Frau kümmere (technisch gesehen ist sie natürlich im Augenblick noch lediglich eine Frau,  nicht „seine“, mit der er außerehelich zusammenlebt). Das sei auch heilig. An diesem Punkt der Diskussion war ich ehrlich betrübt. Da ist ein Mensch, der das Prinzip, den Alltag zu heiligen, durchaus erkannt hat und der sicher ein wunderbares katholisches Leben für sich und seine Familie aufbauen könnte. Tatsächlich aber lebt er in seiner Privatreligion und akzeptiert keine höhere Instanz als sich selbst. Wie man sich durch Hochmut selbst von der Schönheit Gottes abschneiden kann, ist entsetzlich traurig. Der nächste Satz war denn auch, die Standpunkte der Kirche seien für ihn nicht relevant und wir bräuchten nicht weiterdiskutieren, er kenne meinen Standpunkt. So weit so gut. Ich schloss damit, dass das sicher seine Sache sei, dass es aber dann eine Respektlosigkeit sei, zur Kommunion zu gehen oder die kirchliche Trauung zu verlangen (die bald anstehen wird). Und das ist nun etwas, was ich wirklich nicht verstehe. Wie man eine Kirche so schmählich und arrogant ignorieren kann in ihren Geboten, die sie schenkt, dann aber ebenso arrogant Dinge von ihr einfordert, die es ohne sie nicht gäbe.

Wenn ich an die Mühe denke, mit der Bonifatius & co. sich um Deutschland und seine Seelen bemüht haben! Vielleicht werde ich noch eine Ausbildung zum Forstwirt absolvieren und mich ans Abholzen machen.

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