Katholische Kirche in Deutschland heute. Kurze dramatische Episode mit Antiklimax.

Ich bin nicht auf den Mund gefallen. Und es ist schwer, mich mit etwas zu konfrontieren, das mir den Atem verschlägt, wie etwa das folgende (sinngemäß) wiedergegebene Gespräch mit einem örtlichen Pfarrer:

Ich, zu kurzer, enger Rock (jawohl, Knie nicht bedeckt…), geschminkt (ein seltener Anblick), fesch, fühle mich genötigt, nach der Messe mit zum Gemeindefrühstück zu gehen. Ausgerechnet mein Lieblingspfarrer setzt sich neben mich und beginnt einen Plausch. Das Gespräch verläuft harmonisch, er freut sich offensichtlich, dass so ein junger, *cooler* Mensch in die Kirche geht. Irgendwann wird es brenzlig.

Er: Ja, Sie waren ja schon ein paar Mal da, nicht wahr? Gehören Sie zu unserer Gemeinde?

Ich (fühle mich ertappt- denkt er etwa, ich würde meine Sonntagspflicht nicht erfüllen?): Ja, eigentlich schon. Aber ich gehe oft nach St…. (das ist ein Chiffre für Außerordentliche Form).

Er: *schluck* So sieht sie ja gar nicht aus Das…ist aber dann…hm…trid…tridentinisch…?

Ich: betont fröhlich Ja genau. Da ist ja der Pater …

Er: Und…wie…erleben sie…die Leute da so?

Ich: *???* VORSICHT Sehr nett. Wie jede Gemeinde halt. Ich imaginiere kurz unsere Vorzeigefamilie – fesch, cool und so untradi wie möglich. Ich blende die Verrückten kurz aus – ad maiorem Dei gloriam! Aber viele junge Leute, junge Familien

Er: Aha. Also… und das macht Ihnen nichts aus? Das ist ja dann alles…auf Latein? Oder verstehen sie das?

Ich: betont fröhlich Ich hatte nie Latein. Aber die meisten Texte sind ja immer dieselben. Und man kann alles mitlesen. Und ich finde es so schön, wenn man gemeinsam mit dem Priester in Richtung Altar zu Gott betet.

Er: Hm. Also, ich kenne das ja nicht. Das ist nichts für mich.

Ich: Das ist also die von ihm viel beschworene Offenheit.

Das Gespräch schlängelt sich an unverfänglichen Themen entlang, aber nicht lange. Es geht dann bald darum, wieso Menschen nicht mehr in die Kirche kommen: Meine These (etwas geschmeidiger formuliert als sonst) – weil niemand Klartext redet. Und die Leute wollen Klartext.

Ich: Hm, ich denke, wenn man über die wichtigen Dinge gar nicht mehr spricht, wenn manüber Sonntagspflicht nie etwas sagt? Wieso sollen die Leute dann kommen? Man erklärt ja die Lehre der Kirche gar nicht mehr. Man erklärt uns nicht, wieso wir beichten sollen, z.B.

Er: Na, wir leben heute eben in anderen Zeiten. Da muss man mit den Menschen anders sprechen. Das Traditionelle, das verstehen die oft nicht. Das war früher ja alles sehr repressiv. Da hatten die Leute ja Angst, wie man da über Sünde geredet hat. Das kann man so alles nicht mehr sagen.

Ich: Naja, aber, wenn man den Leuten den Unterschied z.B. zwischen Sünde, Übel und Schuld usw. erklärt, dann kann es ja auch nicht so leicht zu Neurosen kommen; die Leute bauen dann ja keine falschen Schuldgefühle auf, wenn sie wissen, dass manches gar keine Sünde ist, und sie können ihr eigenes Verhalten besser einschätzen.

Er: denkt kurz nach Jaaaa…aber da müsste man ja ganz von vorne anfangen mit der Katechese.

Ich: *Bingo* betont nachsinnend unbestimmt Joaaaaaa.

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